Hilfe zur Selbsthilfe

Die Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker in Niedersachsen und Bremen (AANB) e.V. gibt Hilfe zur Selbsthilfe. Wir wollen über die Probleme sprechen und Wege aufzeigen, die aus dem Teufelskreis von Krankheit und Isolation herausführen.

Wir wissen, dass wirksame Hilfe oft erst in der Gemeinschaft möglich wird. Deshalb fördern wir den Zusammenschluss neuer Gruppen und freuen uns über jedes neue Mitglied, jeden, der uns aktiv oder mit einer Spende unterstützt. Kein Angehöriger eines psychisch Kranken soll mit seinen Sorgen allein bleiben. Eine Aufgabe, die uns alle angeht, auch wenn wir nicht alle selbst betroffen sind.

Sprechen Sie mit uns, lieber Leser. Wir sind für Sie da. Und helfen Sie uns mit Ihrer Spende, damit wir weiter wirksam helfen können.


Das seelische Ungleichgewicht

Die gesunde Seele hilft dem Körper das Leben meistern - ganz unauffällig. Aus einem "seelischen Tief" pendelt sie uns ohne große Schwierigkeiten wieder in die Höhe, stellt das "seelische Gleichgewicht" wieder her.

Bei manchen Menschen verliert das Pendel seine Kraft, schwingt langsamer und bleibt schließlich auf dem Tiefpunkt stehen. Die Seele ist verletzt, verkriecht sich und schließt sich vor der Welt ab. Der Mensch hat Angst.

Angst haben auch diejenigen Kranken, deren Seele zeitweise von Wahnvorstellungen verfolgt wird.

Wie sich die Krankheit der Psyche (griechisch für Seele) auch äußert, die Betroffenen sind hochverletzbar. Ihre Gefühle liegen in jedem Stadium offen da. Nur mit unendlicher Behutsamkeit kann man ihnen helfen.


Die Mit-Leidenden

Den Angehörigen und Mitmenschen psychisch Erkrankter wird deren Zustand meist erst bewusst, wenn er sich bedrohlich entwickelt hat. Wenn der Patient immer weniger spricht, teilnahmslos wird oder nicht mehr lächelt, lacht, wenn er sich selber und alles um sich herum verwahrlosen lässt.

Die Gründe für solches Verhalten - wenn sie überhaupt erkennbar sind - erscheinen dem gesunden Beobachter selten besonders gravierend. Wenn Trost, Ermunterung und Ablenkungsversuche immer wieder vergeblich bleiben, kommt es zu Verständnislosigkeit, Ungeduld und Ratlosigkeit.

Die ständige Konfrontation mit stummer Angst und Verzweiflung, mit der rätselhaften inneren und äußeren Veränderung des Kranken überdeckt auch bei den Gesunden Fröhlichkeit und Optimismus. Seelische Not wirkt ansteckend, selbst wenn eigentlich keine Disposition dafür vorhanden ist.

Hinzu kommen die Frage nach eventueller Schuld und die Scham über das unverständliche und oft abstoßende Verhalten des Kranken. Das Unerklärliche, Schreckliche trennt die Angehörigen von Ihren Kranken einerseits, führt aber auch zur Isolation der gesunden Familienangehörigen von der benachbarten Außenwelt andererseits.

So verschließt sich der Kranke mit seiner Angst. Und in gleichem Maße kapseln sich die verunsicherten Angehörigen von ihren bisherigen Kontaktpersonen, Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen ab.

Das Trauerspiel, das innerhalb einer Familie mit einem psychisch kranken Mitglied stattfindet, ist für Außenstehende kaum nachvollziehbar.

Wer kann erklären, was er selber nicht begreift? Und wie darf Hilfe erwartet werden von einer Welt, die Willenskraft und Leistung für das Allheilmittel hält?


Türen öffnen sich

Wer sich psychisch Kranken verpflichtet fühlt, hat bisher hinter verschlossenen Türen gehandelt. Im Verborgenen wurde und wird von den Angehörigen unvorstellbar viel geleistet. Die Privatinitiative bringt hier ein Potential ein, das von öffentlichen Einrichtungen nicht abgedeckt werden kann.

Trotzdem ist gerade auf diesem Gebiet Selbsthilfe auf Dauer fast unmöglich, wenn sie nicht in Verbindung mit einer Gruppe versucht wird. Zumal es dabei nicht nur um den Kranken, sondern in gleichem Maße um die Angehörigen geht.

Seit einigen Jahren wagen immer mehr Betroffene - Kranke und ihre Angehörigen - den Schritt an die Öffentlichkeit, geben sich mit ihren Problemen zu erkennen, schließen sich zu Gruppen zusammen.

Kontakte in Selbsthilfegruppen, mit anderen Leidenden und Mit-Leidenden helfen nach langer lähmender Isolation zur Öffnung nach außen.

Die Tragödie lässt sich endlich in Worte fassen. In der Gemeinschaft erfahren die Angehörigen, dass sie kein Einzelschicksal erdulden.

Wer redet, nimmt wieder am Leben teil, kann hören und wird gehört. Die Krankheit und der Umgang damit werden zum Diskussionsthema. Über gegenseitiges Vertrauen lässt sich wieder Selbstachtung aufbauen.
Das Miteinander in der Gruppe und die dort zusammengeführten Kräfte stärken jedes einzelne Mitglied. Das hilft, der Resignation zu begegnen und lange unterdrückte Ansprüche an die eigene Person zu stellen. Das neu gewonnene Selbstbewusstsein und das zusammengetragene und erarbeitete Wissen um die Krankheit geben der Gruppe den Antrieb, auch von der Öffentlichkeit Unterstützung zu fordern.


Das geht jeden an

Die Reformbestrebungen bei der Behandlung psychisch Kranker begannen Mitte der 70er Jahre durch von Psychiatern neugestaltete Konzepte. Inzwischen haben zusätzlich die Angehörigen und die Psychiatrie-Erfahrenen (so nennen sich die psychisch Kranken selbst) die Initiative ergriffen.

Sie sprechen offen über die Probleme im Zusammenhang mit psychischer Krankheit und helfen anderen Betroffenen, sich aus der Isolation zu befreien, erläutern Nichtbetroffenen das Wesen der Krankheit und schaffen damit die Basis, den psychisch Kranken die selbstverständliche Aufnahme in der Gemeinde zu ermöglichen.

Es geht dabei nicht um einfache Erkenntnisse über die Krankheit. Es sind vielmehr differenzierte Hilfsmaßnahmen erforderlich. Und die werden direkt in den Gemeinden gefordert. Psychisch Kranke dürfen nicht aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen werden. Die Unterstützung muß ohne Trennung erreichbar sein.

Die kommunalen Politiker sind jetzt gefordert, innerhalb ihrer Gemeinden die nötigen Hilfen für psychisch Kranke zu schaffen. Es werden gebraucht: Fachkräfte, die in Krisensituationen auch ins Haus kommen, Hilfe beim Wohnen, geeignete Beschäftigungs- und Arbeitsangebote sowie Unterstützung von Selbsthilfeprojekten der Kranken (Psychiatrie-Erfahrenen) und der Angehörigen. Die verantwortlichen Politiker sollen sich dafür einsetzen, dass die Sozialpsychiatrischen Dienste über genügend und gut ausgebildetes Personal verfügen. Es werden dringend mehr psychologische Therapeuten zur Verkürzung der viel zu langen Wartelisten gebraucht.



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