Hartmut König, Oldenburg, den 13. September 2003

Unterstützung psychisch Kranker durch die Seelhorst Stiftung

Wenn morgens um 7 Uhr das Telefon klingelt, dann ist die Welt nicht mehr in Ordnung!

Kurze Vorgeschichte: Unsere Tochter wohnt und lebt seit 6 Jahren gemeinsam in einer Wohnung mit ihrem Lebenspartner. Beide arbeiten in der WfB und meistern das Leben auf ihre Art.

Der Anruf kam von unserer Tochter – der Lebenspartner war die Nacht nicht nach Hause gekommen, sie machte sich große Sorgen. Mit Recht, das war noch nie vorgekommen. Zunächst musste unsere Tochter beruhigt werden. Meine Frau telefonierte immerzu mit ihr.

Wo anfangen?

Alle Krankenhäuser in Göttingen bestätigten keine Aufnahme. Ein Anruf auf der Arbeitsstelle brachte meine Frau nicht weiter. Herr L. hatte am Vortag auch schon unentschuldigt gefehlt, was in 10 Jahren noch nicht vorgekommen war!

Die letzte Hoffnung war das Handy, aber ohne Erfolg.

Meine Frau versuchte es immer wieder, bis Herr L. sich endlich meldete.

Wieso, weshalb, warum?

Herr L. hätte uns einen Brief geschrieben. Leider kommt die Post bei uns erst viel später, deshalb hatten wir noch keine Ahnung!

Erklärung: Unsere Tochter und Lebenspartner hatten eine fristlose Kündigung der Wohnung erhalten. Sie sollte innerhalb von 8 Tagen geräumt und in einem vertragsmäßigen Zustand übergeben werden. Wie würde ein gesunder Mensch auf ein derartiges Schreiben reagieren? Als Anhang lag gleich ein Merkblatt zum Wohnungsauszug bei!

Herr L. hatte seit einem halben Jahr seinen Mietanteil nicht zahlen können und auf Mahnungen des Vermieters nicht reagiert. Unserer Tochter hatte Herr L. alles verschwiegen.

Meine Frau rief mich an und wir berieten, was zu tun sei. Ich setzte mich mit der Wohnungsbaugesellschaft in Verbindung, damit die Kündigung zurückgezogen würde. Das klappte unter der Voraussetzung, dass wir sofort den aufgelaufenen Betrag ( 1.200,-- Euro) des fälligen Mietanteils überweisen würden und uns verpflichteten, in Zukunft die vollständige Miete zu zahlen.

Zwischendurch telefonierte ich mit Herrn L.. Er war Gott sei Dank zu bewegen noch am gleichen Tag nach Hause zu fahren, um seiner selbst und unserer Tochter willen.

Den wahren Grund haben wir ihr erst später erzählt.

Sie konnte alles gar nicht nachvollziehen. Hauptsache ihr Lebenspartner war wieder da und alles ging seinen Gang und hatte seine Ordnung.

Der an uns gerichtete Brief traf später ein. Darin gestand Herr L. alles, es täte ihm Leid, - für unsere Tochter, dass sie damit hineingezogen würde.

Wir sollten seine Sachen weggeben oder selber behalten, er würde sich schon „ irgendwie“ durchschlagen. Wie wir später erfuhren, hatte er seinen Schlafsack mitgenommen. -Ein Hilferuf?

Zwischendurch rief meine Frau den SpD (Sozialpsychiatrischen Dienst) an, um einen Termin für Herrn L. zu vereinbaren. Außerdem wollten wir auch für den Lebenspartner einen gesetzlichen Betreuer für Geld- und Wohnungsangelegenheiten beantragen. Das konnte nicht immer so weitergehen. Wir hatten ihm schon öfter finanziell geholfen.

Die bange Frage, würde Herr L. mitspielen? Wenn er sich weigerte zum Amtsarzt und Amtsgericht zu gehen? Wir setzten einen Antrag für das Amtsgericht auf, den er uns am Wochenende unterschrieb.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass seit einem halben Jahr das Sozialamt die Miete nicht mehr direkt an den Vermieter überwiesen hatte sondern auf das Konto von Herrn L., das inzwischen gesperrt wurde.

Wir wissen alle: sobald Geld vorhanden ist, wird ausgegeben und nicht eingeteilt. Das Geld rinnt durch die Finger bis nichts mehr da ist.

Meine Frau vereinbarte mit dem Sozialamt, dass die Sozialhilfe einschließlich Mietzuschuss auf unser Konto überwiesen wird. So konnten wir sicherstellen, dass die Miete jeden Monat pünktlich an den Vermieter gehen würde.

Die ganze Angelegenheit zieht sich seit April hin. Trotz Eilantrag beim Amtsgericht Göttingen ist der ges. Betreuer noch nicht bestellt.

In einer Sitzung der Seelhorst-Stiftung kamen die Probleme zur Sprache.

Die Vorstandsmitglieder waren sich einig, dass die Stiftung helfen wird.

Meine Frau und ich stellten einen schriftlichen Antrag zur Begleichung der ausstehenden Mietschulden, die uns erstattet wurden; ebenso eine laufende monatliche Mietzahlung, weil Herr L. kein Geld hatte. Sein Konto war längst überzogen. Diese Beträge wurden aus dem Vermögen der Zustiftungen für die Seelhorst-Stiftung beglichen. Darüber hinaus wird gelegentlich von den Zinsen unserer Zustiftung der Urlaub unserer Tochter finanziert.

Vor fünf Jahren zahlten wir eine größere Summe an die Seelhorst-Stiftung.

Dieser Betrag wurde zinsgünstig angelegt. Die Zinsen brauchen beim Finanzamt nicht angegeben zu werden.

Auch bei anderen Problemlagen Behinderter hilft die Stiftung:

Unsere Tochter und Lebenspartner kommen mit dem Sauberhalten der Wohnung nicht zurecht. Dieses Problem kennt jeder Angehörige. Seit einiger Zeit putzt einmal die Woche eine Reinigungshilfe, vermittelt durch das Paritätische Sozialzentrum Göttingen. Diese Reinigungskräfte sind einiges gewohnt und können mit unsauberen Wohnungen und ihren Mietern gut umgehen. Es hat viel Überredungskunst gekostet. Inzwischen liegt gegenseitige Akzeptanz vor.

Die monatlichen Rechnungen der Reinigungskraft gehen an die Seelhorst Stiftung und werden von der Stiftung bezahlt. Wir überweisen im Gegenzug die Beträge an die Seelhorst-Stiftung und erhalten daraufhin eine Spendenbescheinigung, die bei der Einkommensteuer abgesetzt werden kann.

Die gleiche Regelung findet z.B. auch bei fälligen Urlaubsrechnungen von Behinderten Anwendung.