Mitgliederkonferenz der AANB am 31.10.2009 in Oldenburg

Die Behandlung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher durch den niedergelassenen Facharzt
„Sind Kinder und Jugendliche die einfacheren Patienten?“

Dr. med. Holger Koppe, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie

Häufigste Vorstellungsgründe und Diagnosen:

- Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung/AD(H)S

- Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Schule (Leistungsängste, Anpassungsstörungen bei Mobbing, Schulvermeidung)

- Angststörungen

- Zwangsstörungen

- Traumafolgestörungen

- Störungen des Sozialverhaltens

- Anpassungsreaktionen in belastenden Lebenssituationen (elterliche Konflikte, Elterntrennung, Todesfälle)

- Essstörungen

- Borderline-Störungen

- Selbstverletzendes Verhalten/Depressionen, Suizidalität

- Abklärung autistisch anmutender Auffälligkeiten

- Diagnostik von Teilleistungsschwächen (LRS und Dyskalkulie)

Besonderheiten der Behandlung von Kindern und Jugendlichen

- Zumeist anfangs Unfreiwilligkeit

- Behandlungsvertrag mit den Sorgeberechtigten

- Behandlung im Allgemeinen nur mit Einverständnis beider sorgeberechtigter Elternteile, auch in Trennungssituationen

- Besondere Aspekte der Schweigepflicht und des Vertrauensverhältnisses

- Unterschiedliche externe Erwartungen und Einflussfaktoren

- Fragen der Kostenträgerschaft

- Problem der Wartezeit für Ersttermine und Therapiebeginn

- Hierdurch mitunter besonders erschwerte Behandlung von Kindern und Jugendlichen

Aktuelle Brennpunkte

- Kindeswohlgefährdung/rechtliche Situation

- Zunahme der Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Schule

- Zunahme gravierender Störungsbilder wie Depressionen, Borderline-Störungen, Essstörungen …

- Konfliktsituationen in Trennungsfamilien

- Zunahme außergewöhnlichen Medienkonsums (PC-Sucht)

- Armut

„Sind Kinder und Jugendliche die einfacheren Patienten?“

Aus o. g. Gründen wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche an und für sich nicht die einfacheren Patienten als Erwachsene sind.

Häufig besteht auch eine besondere Belastung therapeutischer Mitarbeiter mit der Notwendigkeit von Intervision und Supervision/Psychohygiene und Burn-out-Prophylaxe.

Andererseits:

- Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht Spaß!

- Erfolgreiche Behandlungen überwiegen deutlich

- Kinder und Jugendliche sind aktiv, kreativ, besitzen Potential und entwickeln sich

Zitate von Kindern aus dem Anekdotenbuch „der Praxis“

Als Antwort in einem Intelligenztest:

- „Nachahmen“ ist, wenn man jemanden besonders lieb hat und noch mal umarmen möchte.

- Kind zur behandelnden Therapeutin: „Nun steigere dich da mal nicht so rein!“

- Kind: „Papa ist gestern gelaufen als hätte er zwei Kamille“

- Aus einem IQ-Test: Was bedeutet Altertum? „Wenn man alt ist tut man nicht mehr so viel“

- Was haben Katze und Maus gemeinsam? „Man kann sie essen.“

- Warum soll man das Licht ausschalten wenn man es nicht braucht? „Weil sonst die Eisbären sterben.“