Mitgliederkonferenz der AANB am 16.05.2009 in Hannover

„Weiterbildung zur Fachkraft für Sozialpsychiatrische Betreuung“
Eine Weiterbildung für alle Mitarbeiter im Betreuungs- und Pflegebereich

Gabriele Stachura, Medizinische Hochschule Hannover, am 16.05.2009

Einblick in die Historie

- 1969 unter Prof. Kisker begann in den Gemäuern des Landeskrankenhauses Wunstorf

- 1972 wurde die WB staatlich anerkannt

- 1976 übernahm ein Pädagoge die Leitung, Dr. Bastiaan

- 1983 zusätzliche feste Stelle

- Seit diesem Zeitpunkt kontinuierliche jährlich min. ein Kurs

- 2006 neue Prüfungsordnung unter dem Dach des Niedersächsischen Sozialministeriums

Der vorgegebene Rahmen

- 720 Unterrichtsstunden

- verteilt auf 22 - 24 Monate,

- Personenkreis

- Psychiatrischen Inhalt

- Prüfungsordnung.

- Die Weiterbildung findet berufsbegleitend statt, das heißt, dass alle TN einen regulären Arbeitsplatz in der Psychiatrie benötigen.

Personenkreis:

- alle Berufsgruppen, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten und einen regulären Arbeitsplatz in der Psychiatrie vorweisen konnten.

Einige Ergebnisse einer Erhebung von Dr. Bastiaan, untersucht wurde der Zeitraum von 1971 bis 2005

Berufsgruppen

- 63% Krankenschwestern –pfleger

- 20% Sozialarbeiter –pädagogen

- 17% andere (Ergotherapeuten, Altenpflegerinnen, Erzieherinnen, Kunsttherapeutinnen, Bewegungstherapeutinnen, Physiotherpeutinnen, und einige wenige Handwerker aus den Werkstätten für Behinderte)

Geschlecht: 63% Frauen 27% Männer

Alter der Teilnehmer (persönliche Einschätzung)

- Viele TN sind zwischen 30 und 40 Jahre alt

- Einige TN zwischen 40 und 50 Jahren

- Wenige über TN 50 Jahren

- Insgesamt liegt das Alter auch heute noch zwischen 30 und 50 Jahren

- Die Alterszusammensetzung scheint sich seit einigen (wenigen) Jahren zu verändern, es kommen jetzt doch vermehrt junge Menschen auch unter 30 Jahren.

Berufserfahrung (eigene Einschätzung)

Viele TN verfügen über viele Jahre Berufserfahrung

- Viele zwischen 5 und 10 Jahren

- Wenige unter 5 Jahren

- Einige TN auch mehr als 10 Jahre

Beschäfitigungsorte / Einsatzorte

- 67% psychiatrische Kliniken

- 33% ambulante / teilstationäre / komplementäre Einrichtungen

Momentane Situation:

- Stationäre Einrichtungen: nahezu alle größeren Kliniken im Umkreis von Hannover (ausgenommen Ilten - Köthenwald die eine eigene Weiterbildung betreiben) und viele Wohnheime

- Ambulante Einrichtungen: wir haben Mitarbeiter aus beinahe alle ambulanten Einrichtungen bisher betreut, so aus dem Ambulant betreuten Wohnen, den Tagesstätten, den Wohnheimen den Beratungsstellen.

Inhalte und Struktur

Struktur

- 720 theoretische U-Stunden,

- Dauer zurzeit 22 Monate

- 1 U-Tag pro Woche kontinuierlich

- 2 Wochenendseminare

- 5 Hospitationstage

Der Unterricht ist unterteilt und gegliedert in theoretische Blöcke (vormittags) und den eher praktisch, handlungsorientierten Unterricht (nachmittags)

Theoretische Inhalte der WB:

- Krankheitsbilder aller psychiatrierelevanter Erkrankungen und Krankheitsverständnis

- Therapie und Behandlung - ausgewählte Methoden (Medikamente, Psychotherapie, Soziotherapie, Gesprächsführung, Gruppenarbeit)

- Versorgungsstrukturen

- Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

- Grundbedürfnisse psychisch kranker Menschen, insbesondere

- Prävention und Rehabilitation

- Geschichte der Psychiatrie/ Psychiatrie im gesellschaftlichen Kontext

- Rechtsgrundlagen in der Psychiatrie

Persönlichen Weiterentwicklung

1. Patientenvorstellung

- Jeder Kursteilnehmer stellt einen Patienten mit einer Problemsituation oder einer Fragestellung im Gespräch vor

- Bearbeitet wird die Fragestellung oft mit Rollenspielen, oder im Gruppengespräch

Ziel der Einheit:

- sich in den Patienten hinein zu versetzen, besseres Verständnis für ihn entwickeln

- Eigene Gefühle wahrnehmen

- Handlungsalternativen ausprobieren

- patientenzentrierte Selbsterfahrung

2. Kommunikation und Wahrnehmung

berufsbezogene Selbsterfahrung

Mit künstlerischen Mitteln und Interaktionsübungen

kontinuierlich über 1 Jahr pro Woche 1,5 Stunden

Ziele der Einheit und Methode:

- Sich kennen zu lernen,

- die eignen Gefühle im Kontakt zum Mitmenschen kennen lernen

- Eine Ahnung zu bekommen wie die eignen Lebensgeschichte das momentanen Handeln und Empfinden beeinflusst

- Zu erfahren, wie andere mich sehen

Lernen auf der Handlungsebene / Soziotherapeutische Maßnahmen.

Gruppenarbeit

Jeder Kursteilnehmer muss im Verlauf der Weiterbildung eine Gruppe leiten. Diese wird von einem erfahrenen Anleiter begleitet. Bevorzugt werden soziotherapeutische Gruppen

Ziel aller Patientengruppen soll die Integration der Gruppenteilnehmer (der Patienten) in die Gesellschaft sein, alles was ein Patient dazu benötigt kann Inhalt und Gegenstand einer Gruppe sein.

Kleine Auswahl der vielen Patientengruppen:

- Morgenrunden

- Soziale Kompetenzgruppen

- Koch- und Backgruppen

- Gesprächsgruppen nach TZI

- Sportgruppen

- Kreative Gruppen

- U.s.w.

Noch ein Wort zur „Sozialpsychiatrie“.

Unter Sozialpsychiatrie verstehe ich alle Aspekte, die den Patienten in seinem sozialen Umfeld zeigt und Mitarbeiter, verpflichtet, den Patienten auch in diesem Umfeld wahrzunehmen und zu respektieren.

- Der Patient in seiner Familie

- Der Patient in seinem Arbeitsumfeld

- In seinem Wohnumfeld

- In der Schule/ Ausbildung

- In der ambulanten Betreuung

- In seinen gesunden Phasen

- Den Patienten mit seiner gesamten Lebensgeschichte

Was ist die Weiterbildung nicht?

- keine Spezialisierung auf eine bestimmte Therapiemethode

- keine Spezialisierung auf nur eine besondere Patientengruppe.

Sie soll vielmehr die Grundlage bilden für das professionelle Arbeiten vieler Mitarbeiter in psychiatrischen Institutionen.