Angehörigen Post
Ausgabe Nr.10


Liebe Angehörige, liebe Mitglieder und liebe Freunde,
Brauchen wir so viele Heimplätze?
Video-Kamera statt Sitzwache
Die Seelhorst-Stiftung hilft seit 10 Jahren
Leserbrief an die Hannoversche Allgemeine Zeitung
Soziotherapie ­ Hilfe ohne Lobby
Jahresmitgliederversammlung in Hannover
Chronologischer Bericht eigener Veranstaltungen 2002
Skandal beim Betreuten Wohnen im Emsland
Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung
Wir gratulieren: Fünf Jahre SHG-Treff in Stadthagen
Termine 2003


Sind Sie schon Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker?

* * * * * * * * * Aufnahmeantrag für alle, die noch nicht Mitglied in der AANB sind

zur vorherigen Ausgabe (Nr. 9)



Liebe Angehörige, liebe Mitglieder und liebe Freunde,


auch mit dieser Ausgabe unserer ANGEHÖRIGEN POST wollen wir Ihnen wieder neben Protokollen und Terminen eigener Veranstaltungen einen Überblick über den Diskussionsstand in der Landespsychiatrie vermitteln.

Wir sind sehr froh und dankbar für Ihre finanzielle Unterstützung, die es uns erlaubt, auch diese 10. Ausgabe wieder in einer Auflage von 4.000 Exemplaren zu drucken und an alle uns bekannten Interessenten zu versenden. Die bescheidenen Mittel der AANB würden diesen Aufwand nicht erlauben.

Besonderer Dank gilt den Firmen Janssen-Cilag und Lilly Deutschland GmbH sowie der AOK Niedersachsen und der Barmer Ersatzkasse, die diese Ausgabe der ANGEHÖRIGEN POST finanzieren helfen.

Ihre Rose-Marie Seelhorst Vorsitzende

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Brauchen wir so viele Heimplätze?

Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmer von drei Veranstaltungen in Hannover am 19. März und 24. April sowie in einem dreitägigen Seminar vom 5. bis 7. Juni 2002 im Kloster Loccum.

Prof. Klaus Dörner aus Hamburg hat sich gemeinsam mit einer Reihe von Experten mit der Bitte an die Fraktionen des Deutschen Bundestages gewandt, eine Kommission zur Enquête der Heime einzusetzen. Er sagte u. a. :

"..Die Verheimung von Menschen ­ pflegebedürftigen, altersdementen und behinderten ­ nimmt zu. Und das bleibt so lange so, wie jeder clevere Unternehmer, wenn er nur ein paar formale Kriterien erfüllt, sich auf dem Markt des Heimwesens nach Belieben bedienen kann. .."

Karl Finke, Behindertenbeauftragter des Landes Niedersachsen machte deutlich, daß die behinderten Menschen es nicht länger hinnehmen wollen, daß seit 30 Jahren der Grundsatz "ambulant vor stationär" in den verschiedenen Gesetzen festgeschrieben ist und trotzdem 95% der Hilfen in stationärer Form erbracht werden.

"..Es wird wohl noch für eine bestimmte Übergangszeit Heime geben müssen, aber Teilhabe und Selbstbestimmung sind in ihnen nicht möglich. .."

(www.behindertenbeauftragter- niedersachsen.de)

Dr. Wolfgang Gephart, Leiter der Sozialpsychiatrischen Dienste der Region Hannover berichtete, daß Versuche von Heimbewohnern das Heim wieder zu verlassen, oft nicht an den fehlenden Fähigkeiten der behinderten Menschen sondern am Heim und den Kostenträgern scheitern. "..Psychopharmaka in Heimen werden ­ dies ist jetzt eine verkürzte Darstellung ­ weitgehend eingesetzt zum Zwecke der Verhaltensmodifikation. .."

Dr.Gephart stellte den Teilnehmern den Text einer Petition an den Nds. Landtag vor,die von der Mehrzahl der Anwesenden unterzeichnet wurde.

Der Landtag (Niedersächsische) hat am 23. 10. 2002 eine Entschließung angenommen, in der Forderungen an die Landesregierung gestellt werden, u. a.

1. "im Rahmen ihrer Möglichkeiten darauf hinzuwirken, den bisherigen Modellversuch durch Übernahme in reguläre Kassenleistung zu erhalten und damit eine unerlässliche Voraussetzung zur Behebung derzeit bestehender Versorgungslücken im Rahmen eines flächendeckenden Krisendienstes für chronisch Kranke zu erreichen

2. .. Die Entwicklung alternativer Wohnformen mit Vorrang für selbstbestimmtes Leben ist dadurch zu fördern, daß in den nächsten fünf Jahren mindestens 33% der Menschen mit psychischer Behinderung in ambulanten Maßnahmen Unterstützung finden. Dabei sollen in diesem Zeitraum mindestens 10% der stationären Plätze abgebaut werden

3. die Bemühungen zu unterstützen, bundesweit eine Enquetekommission "Heime" für psychisch Kranke und Behinderte einzusetzen. .."|
 


Video-Kameras statt Sitzwachen

Meppener Tagespost vom 7. 11. 02

"...Durch große seitliche Fenster, die aber auch zugehängt werden könnten, sei es den diensthabenden Schwestern im St. Vinzenz-Hospital, Haselünne möglich, die Patienten in den Nach- | barräumen zu bewachen. Sitzwachen entfielen dadurch. Im Neubau würden Videokameras diesen Kontrolldienst übernehmen."

Psychisch Kranke, vor allem Schizophrene, leiden häufig in akuten Phasen an Verfolgungswahn. Dagegen helfen nicht nur Medikamente sondern vor allem menschliche Wärme.

Deshalb ist es für uns unglaublich, daß es Videoüberwachung in psychiatrischen Krankenhäusern gibt oder geplant wird. Nein, eine Videokamera ersetzt keine Sitzwache am Bett eines psychisch Kranken. Sie ist eher geeignet, die Ängste des Patienten zu vergrößern oder überhaupt erst zu erzeugen.


Die Seelhorst-Stiftung hilft seit 10 Jahren psychisch Kranken und ihren Angehörigen

Jeder von uns kann dazu beitragen, die Lebenssituation psychisch Kranker zu verbessern. Zustiftungen und Spenden können der Stiftung mit oder ohne Auflagen zugewendet werden.

Die Seelhorst-Stiftung wurde am 15. März 1993 mit einem Stiftungskapital von DM 50.400 errichtet. Das Stiftungskapital ist inzwischen durch Zustiftungen auf E 159.727 angewachsen.

Im Jahr 2002 standen rund Euro 85.000 für satzungsgemäße Maßnahmen zur Verfügung.

Psychisch Kranke und Angehörige sowie Angehörigen- und Betroffenengruppen erhielten insgesamt rd. Euro 15.000.

Dieser Betrag setzt sich folgendermaßen zusammen: Rund. Euro 10.000 sind bestimmten psychisch Kranken auf Grund von Zustiftungsbestimmungen (Auflagen) direkt zugegangen. Rund Euro 3.600 sind einzelnen psychisch Kranken zum Kauf von Kleidung, zur Mitfinanzierung der Renovierung der Wohnung, als Zuschuss zu einer Erholungsreise, als Übernahme von Rechnungen des Paritätischen für Haushaltshilfe, usw. auf Antrag einzelner Bedürftiger hin zur Verfügung gestellt worden. Rund Euro 1.500 wurden an Gruppen Psychiatrie-Erfahrener gezahlt.

Eine andere wichtige Aufgabe der Seelhorst-Stiftung ist die Durchführung des Psychosozialen/Psychiatrischen Krisendienstes an Wochenenden und Feiertagen in der Region Hannover.

Hierfür wurden aus Zuwendungen der Region rund Euro 70.000 aufgewandt. Den ehrenamtlichen Honorarkräften, die sich an Freitagen, Sonnabenden, Sonn- und Feiertagen im Psychosozialen/Psychiatrischen Krisendienst in der Region Hannover einsetzen, wurden Honorare gezahlt, Informationsveranstaltungen wurden für sie durchgeführt und große Mengen Faltblätter und Taschenkärtchen, die auf den Krisendienst hinweisen, wurden gedruckt und verteilt.

Jede Spende ist willkommen. Wichtig ist für jeden Spender und Zustifter, daß ein großer Teil der anfallenden Arbeiten unentgeltlich durch Vorstandsmitglieder geleistet wird.

Adresse: Seelhorst-Stiftung, Uferplatz 5, 30890 Barsinghausen, Tel. 05105 / 2115, Fax 05105 / 64628

Bankverbindung: Volksbank Pattensen eG, BLZ 251 933 31 * Konto-Nr. 415 949 700


Land will ambulante psychiatrische Pflege ausbauen

Leserbrief an die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ), 2. 1. 03

"Wir Angehörigen psychisch Kranker waren erfreut, gleich in Ihrer ersten Ausgabe des Neuen Jahres einen Dreispalter zu der sich dauernd verschlechternden Versorgungslage psychisch schwer erkrankter Menschen zu finden.

Nirgends ist die Ungleichbehandlung psychisch Kranker im Vergleich zu körperlich Erkrankten deutlicher als im häuslichen Bereich. Nur in den wenigen in ihrem Artikel aufgezählten ehemaligen Modellregionen gibt es in Niedersachsen aufsuchende häusliche Krankenpflege für psychisch Kranke. An allen anderen Orten überläßt man psychisch Kranke allein ihrem häuslichen Elend.

Obgleich längst erwiesen ist, daß die Mehrzahl psychisch Kranker ­ ich denke an Menschen mit schizophrenen Psychosen, mit schweren Depressionen, mit großen Ängsten und Zwängen, usw. - sich allein in ihrer Wohnung versorgen könnte, wenn sie während schwerer Krisen zu Hause Hilfe bekämen, überläßt man sie ihrem Elend oder weist sie ­ meist über einen Betreuer ­ in ein Heim ein. Diese letzte Konsequenz kostet den Kranken das letzte Stück Autonomie und den Steuerzahler sehr viel Geld.

Wohl den Kranken, deren Angehörige in erreichbarer Nähe wohnen und bereit sind, alle Lücken der psychiatrischen Versorgung auszufüllen!

Manchmal drängt sich mir der Gedanke auf, daß unsere Gesundheitspolitiker uns Angehörige für unsterblich oder zumindest grenzenlos belastbar halten. Das ist ein schrecklicher Irrtum, den die wachsende Zahl psychisch Kranker zahlen muß."

Rose-Marie Seelhorst, Vorsitzende der AANB
 


Soziotherapie - Hilfe ohne Lobby

Süddeutsche Zeitung, 7. 1. 2003:

"Schon vor Jahren hat eine Studie der gesetzlichen Kassen gezeigt, wie sich im Bereich Psychiatrie massiv Kosten sparen ließen. Doch die Ergebnisse werden nur zögerlich umgesetzt, obwohl davon neben den Kassen auch die Patienten profitieren würden: Aus dem geregelten Klinikalltag entlassen, verlieren psychisch kranke Menschen oft schnell wieder die Kontrolle über ihr Leben. Häufig sind sie zu antriebslos, um Kontakte zu pflegen, den kommenden Tag zu planen oder ihre Medikamente einzunehmen. Aufstehen gerät zum kraftraubenden Akt. .

Seit einem Jahr darf psychisch Kranken eine ambulante Soziotherapie verschrieben werden, doch Ärzte und Kassen sperren sich. 120 Stunden binnen drei Jahren pro Patient.

Doch kaum ein Kranker hat bis heute eine solche Betreuung erhalten. Dies liege zum Teil daran, dass die Krankenkassen zu hohe Ansprüche an die Helfer stellten, beklagt Nicolas Nowack (Hochschule Magdeburg-Stendal). Die Betreuer müssten jahrelange Erfahrung in psychiatrischen Kliniken mitbringen und zudem wenigstens ein Jahr ambulant mit psychisch Kranken gearbeitet haben.

"Noch dazu ist es für den Facharzt viel aufwändiger, eine Soziotherapie zu verordnen als einen Patienten wieder in die Klinik zu schicken. Denn er muss der Kasse einen ausgefeilten Therapieplan vorlegen. Das schreckt die Nervenärzte ab,"

Heiner Melchinger, Medizinische Hochschule Hannover."
 


Jahresmitgliederversammlung am 20. April 2002 in Hannover

Bericht von Gerd Kück, Vorstand der AANB

"Einer guten Tradition folgend diskutierten die anwesenden Mitglieder am Vormittag psychiatrische Versorgungsproble.

Die Mitgliederversammlung begann dann pünktlich um 14.00 Uhr. Da keine Vorstandswahlen anstanden, war der Höhepunkt der Versammlung der Jahresbericht von unserer Vorsitzenden Frau Seelhorst.

Ganz besonders hob Frau Seelhorst das Engagement der Angehörigen hervor, die seit Jahren die Telefonbereitschaft der Geschäftsstelle aufrecht erhalten. Die vielen Anrufe bestätigen immer wieder die Wichtigkeit dieser Einrichtung.

Ganz besonderen Dank bekam Herr Herbort, der neben seiner Tätigkeit in der Telefonbereitschaft und als Sprecher einer Angehörigengruppe nochmals als Schatzmeister einsprang. Im Laufe des Jahres übernahm dann Herr Seelhorst diese Aufgabe bis zu den nächsten Wahlen.

Frau Seelhorst verzichtete auf eine Darstellung der Veranstaltungen, weil alle Mitglieder die entsprechenden Dokumentationen erhalten haben.

Frau Bauer gab den Anwesenden einen Überblick über die Situation in Bremen."
 


Veranstaltungen der AANB im Jahre 2002

Bericht von Gerd Kück, Vorstand der AANB

Mitgliederkonferenz am 11. Mai in Bremen

Haben wir genug Gesprächskreise für Angehörige psychisch Kranker Menschen? Ist der Erhalt bestehender Gruppen gesichert?

Wie können Angehörige motiviert werden, an Orten Gruppen aufzubauen, an denen es noch keine gibt? Es gibt nach wie vor zu wenig Gruppen, was dazu führt, daß Angehörige oft weite Wege zur nächsten Gruppe zurücklegen müssen.

Nicht immer gelingt es, Probleme zwischen alten und neu entstandenen Gruppen aus dem Weg zu räumen. Deshalb wurde dieses Thema besonders diskutiert. Die Teilnehmer waren sich einig, daß es nötig ist, in einer Kommune/Region, in der es mehr als eine Angehörigen-Gruppe gibt, Versorgungsprobleme erst einmal untereinander zu diskutieren, ehe sie in psychiatrischen Gremien vorgetragen werden.

Annelise Bauer moderierte die Konferenz.

Mitgliederkonferenz am 8. Juni in Hannover

Wir Angehörigen psychisch Kranker wollen mitsprechen und mitentscheiden, wenn es um den Aufbau und die Kontrolle nötiger psychiatrischer Hilfsangebote geht.

In der Begrüssung stellte Rose-Marie Seelhorst fest, dass es noch viele Lücken in der Versorgungslandschaft gibt. Wir Angehörigen müssen unsere Erfahrungen einbringen und die Hilfen fordern, die für die Behandlung und Pflege schwer Kranker nötig sind.

Erfreulicher Weise wächst die Aufgeschlossenheit gegenüber der Mitarbeit der Angehörigen in psychiatrischen Gremien Niedersachsens.

Die Konferenz wurde in 3 Blöcke gegliedert, damit die einzelnen Themen abgegrenzt und inhaltlich gut diskutiert werden konnten.

1. Block:

Was bringt Angehörigen die Mitarbeit in psychiatrischen Gremien? Sind wir nicht alle genug belastet?

Von den Anwesenden wird die Notwendigkeit zur Mitarbeit gesehen, doch wird deutlich gemacht, dass es immer noch zu wenige Angehörige gibt, die genügend Kraft und Zeit zur Mitarbeit haben. Die jüngeren sind berufstätig. Die älteren meist müde und ausgelastet durch ihre familiären Sorgen. Leider gibt es auch einige Landkreise in Niedersachsen, in denen die Teilnahme von Angehörigen an psychiatrischen Gremien nicht erwünscht ist.

2. Block:

In welchen psychiatrischen Gremien sollten wir Angehörigen vertreten sein?

Die Vorsitzende der AANB berichtet über ihre Tätigkeit im Länderrat, ihre aktive Mitwirkung bei befreundeten Verbänden und vor allem in den psychiatrischen Landesgremien Niedersachsens.

Aus den verschiedenen Regionen wurde dann berichtet, wie die Situation vor Ort ist.

3. Block:

Wer kann unsere Interessen vertreten?

Teilnehmer klagten darüber, dass Ausschüsse und Gremien häufig während der Dienstzeit von professionellen Mitarbeitern tagen, was die Teilnahme ehrenamtlich Tätiger von vornherein ausschliesst.

Das Rüstzeug für die Mitarbeit in den psychiatrischen Gremien wird den Angehörigen in den Gruppen und durch die Teilnahme an unseren Konferenzen und Tagungen sowie Veranstaltungen Dritter oder durch den Besuch von Psychose-Seminaren vermittelt.

Annelise Bauer, Rose-Marie Seelhorst und Marlis Wiedemann moderierten die drei Diskussionsblöcke der Konferenz

Tagesveranstaltung am 17. August in Oldenburg.

Psychose und Sucht. Wo finde ich Hilfe?

Heidi Lindner, Nienburg, selbst Psychiatrie erfahren, berichtete über ihre langjährige Erfahrung mit ihrem erkranktem Lebenspartner, der nicht nur psychisch krank ist, sondern zusätzlich das Problem Alkohol hat. H. Lindner hat ihre Erlebnisse und Erfahrungen aufgeschrieben und veröffentlicht.

Dipl.-Soz. Wolfram Beins stellte sehr anschaulich dar, welche Hilfe ein mehrfach Betroffener durch die psychosoziale Beratungsstelle in Celle erhält.

Die Drs. Christoph Aselmeier und Gregor Könemann vom Landeskrankenhaus Wunstorf gaben einen anschaulichen Bericht über die Versorgungsprobleme aus Sicht der Klinik.

Anschließend berichtete Rudolf Burr über die vielen Stationen des Leidens und die zahlreichen Schwierigkeiten, die der betroffene Sohn auf der Suche nach der richtigen Hilfe in den letzten Jahren erlebte.

Nachhaltiges Interesse fanden Dipl. Sozialarbeiter Uwe Reichertz und Reinhold Hemmesmann von beta-Supa aus Hannover, die anschaulich darstellten, wie im Betreuten Wohnen für mehrfach Betroffene in Hannover gearbeitet und geholfen wird.

Klaus Pflüger aus Hildesheim moderierte die Veranstaltung.

Mitgliederkonferenz am 28. September in Osnabrück.

Einklagbare Rechte auch für psychisch Kranke! Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen im Sozialgesetzbuch IX

Wir alle wissen, dass es psychisch Kranke und ihre Angehörigen besonders schwer haben, Verständnis und Unterstützung in unserer Gesellschaft zu finden. Deshalb ist es wichtig, über den Rechtsanspruch auf Hilfe Bescheid zu wissen. Ein Vortrag vor einer grossen Zahl von Teilnehmern, von Stefan Scheele, Jurist und Kreisgeschäftsführer des Sozialverbandes VDK Niedersachsen und Bremen e.V. Osnabrück brachte ein wenig Klarheit in das neue Gesetz. Erfahrungen mit diesem Gesetz gibt es zur Zeit ja noch nicht.

Die Anwesenden wollen nach entsprechender Anlaufzeit des SGB IX nochmals das Thema aufgreifen, um festzustellen, wie die Auswirkungen und Umsetzungen in der Praxis sind.

Annelore Steuwer moderierte die Konferenz

Tagesveranstaltung am 19. Oktober in Hannover.

Psychose und Aggressionen.

In der Einladung zu unserer 2. Tagesveranstaltung schreibt unsere Vorsitzende Folgendes:

"Die Voraussetzung für eine ärztliche Behandlung ist der Wunsch des Kranken, behandelt zu werden. Dieses Grundprinzip stösst bei psychischen Krankheiten manchmal an seine Grenzen. Viele von unseren Angehörigen erinnern sich an kritische Situationen, in denen die Gefahr bestand, dass das psychisch erkrankte Familienmitglied sich selbst verletzen könnte oder in der Psychose versuchte, einen Dritten anzugreifen. Wie konnte es zu so einem Ereignis kommen? Wurde der Kranke nicht ausreichend behandelt? Nur im Falle einer Gefährdung kann ein Erwachsener in unserem Land auch gegen seinen Willen behandelt werden. Grundlage hierfür sind, je nach Art der Gefährdung und Erkrankung, unterschiedliche Gesetze, vom Betreuungsgesetz über das Niedersächsische Gesetz über Hilfen und Schutzmassnahmen für psychisch Kranke bis zum Niedersächsischen Massregelvollzugsgesetz.

Die Angehörigen bewegt häufig die Frage nach der Schuld und Ursache. Sind die heutigen psychiatrischen Versorgungsstrukturen immer noch der Problematik sich und andere gefährdender Menschen angemessen? Wie geht die Psychiatrie mit der Gefährdung psychisch Kranker um? Was ist zu tun, um Hilfen zu verbessern und wirksamer zu machen?"

Eine hervorragende Referentenbesetzung mit Dr. med. Eberhard Höfer, Leiter der Sozialpsychiatrischen Dienste in Hildesheim und Vorsitzender des Ausschusses für psychiatrische Angelegenheiten nach NPsych KG §30; Barbara Michaelis-Aßmann, Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Krisendienstes in der Region Hannover; Dr. med. Sebastian Stierl, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik II am NLKH Lüneburg, sorgten für einen interessanten Vormittag. Am Nachmittag kam Marlis Wiedemann, Braunschweig, zu Wort, die über ihren Besuch im NLKH Moringen, einem Krankenhauses für psychisch kranke Gesetzesbrecher berichtete. Anschließend sprach Thieß Uwe Matthießen, Leitender Arzt am NLKH Mohringen. Zum Schluß sprach ein Psychiatrie-Erfahrener. Es gab wohl keinen Besucher, der nicht mit vielen neuen Eindrücken aus dieser Veranstaltung ging.

Peter Arp, Wilhelmshaven, moderierte die Veranstaltung
 


Skandal beim Betreuten Wohnen im Emsland

Egon Kahlmeier von der Angehörigenselbsthilfegruppe psychisch Kranker in Meppen beschwerte sich am 20. 11. 02 bei dem zuständigen Landrat, Herrn Bröring über die miserable Personalausstattung beim Betreuten Wohnen für psychisch Kranke, das vom Verein Lotse e. V. in Meppen angeboten wird. Dort betreuen hochengagierte Mitarbeiter des Vereins jeweils 23 kranke Menschen. Ein solcher Personalschlüssel ist Rekord im negativen Sinne.

Herr Landrat Bröring, der gleichzeitig Vorsitzender des Kuratoriums von Lotse e.V. ist, antwortet am 11. 12. 2002 Herrn Kahlmeier:

"...Der Landkreis selbst hat keine eigene Finanzeinnahmequelle und steht in voller Abhängigkeit des Bundes und des Landes. Bedauerlicherweise bleibt dann nichts anderes übrig, als auf der Kosten- bzw. Ausgabenseite den Rotstift anzusetzen, zumindest aber Mehrausgaben zu verhindern. ...Insoweit kann es auch keinen Automatismus geben, dass steigende Fallzahlen bei Lotse e.V. zwangsläufig zu einer höheren Personalkostenfinanzierung durch den Landkreis führen. ...Natürlich heißt das nicht, dass ich mir nicht konkrete Gedanken mache, wie wir die Problematik der Betreuung psychisch und seelisch Kranker im Emsland für die Zukunft angemessen gestalten können. ..."

Nachdem die Angehörigen klar gemacht haben, daß es nach den §§39, 40 des BSHG für psychisch Kranke einen Anspruch auf angemessene Betreuung beim Wohnen gibt, ist Bewegung in die Verhandlung gekommen und eine geringfügige Personalaufstockung beim Lotse e.V. in Aussicht gestellt worden.  


Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung im psychiatrischen Krankenhaus

Ein Krankenpfleger stellte folgende Forderungen für die Zusammenarbeit zwischen Psychiatrieprofis und Angehörigen im Krankenhausalltag:

  • Angehörige erhalten regelmäßig Gelegenheit, sich in Fort- und Weiterbildung zu präsentieren
  • Vorstellung der Angehörigen und ihrer Tätigkeit in Stations-Teamsitzungen
  • Krankenhaus-MitarbeiterInnen sind über bestehende Angehörigengruppen informiert
  • gut wahrnehmbare Aushänge und Info-Flyer der Angehörigenbewegung auf allen psychiatrischen Stationen
  • Angehörigen-Beauftragte auf jeder Station und generell für das Krankenhaus aus jeder Berufsgruppe
  • stationäre Angebote für Angehörige
  • gezieltere Ansprache der Angehörigen auf ihre eigene Betroffenheit

Bessere Informationen der Angehörigen über Erkrankungen und Behandlung z. B. durch gezielte Gesprächsangebote, Infoblätter, Literaturhinweise
 


Wir gratulieren: Fünf Jahre SHG-Treff in Stadthagen

Schaumburger Wochenblatt, 10. 08. 02

"Fünf Jahre SHG-Treff gibt Anlass zum Feiern und Nachdenken Psychische Krankheit immer noch ein Tabu-Thema

Dicht an dicht drängten sich in den Räumen der Begegnungsstätte SHG-Treff die Gäste, um das fünfjährige Jubiläum zu feiern. Die 1. Vorsitzende Monika Pauly erinnerte daran, dass der Treff mit seiner Arbeit dazu beitrage, das schwere Schicksal psychisch Kranker mitzutragen. Er sei aus dem Leben der Besucher gar nicht mehr wegzudenken.

Die ersten fünf Jahre seien zwar nicht immer ganz einfach gewesen, doch mit der Unterstützung der Stadt, des landkreises und zahlreicher Förderer sei man heute "in einem ruhigeren Fahrwasser" angekommen. Seit Oktober 2001 hat der Angehörigen-Verein einen zweiten Treff in Rinteln eröffnet.

Beide Angebote werden hervorragend angenommen und es steht je eine Mitarbeiterin vor Ort zur Verfügung.

...Der Landkreis will das Angebot auch in Zukunft unterstützen und helfen, neue Fördermittel zu finden. Ulrike Hujsa, Sozialarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes Betonte, dass die Begegnungsstätte ein wichtiger Faktor sei. Sie helfe gegen die Isolation der Patienten, die dort neue Ansprechpartner und Leidensgenossen treffen. ..."
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Termine 2003
  • 24. Mai Mitgliederversammlung
  • 5. Juli Mitgliederkonferenz
  • 23. August Mitgliederkonferenz
  • 13. September Tagesveranstaltung in Oldenburg
  • 11. Oktober Tagesveranstaltung in Hannover
  • 22. November Mitgliederkonferenz

Die Veranstaltungsorte, Themen und Referenten|werden rechtzeitig bekannt gegeben.





Sind Sie schon Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker?

Wenn nicht, dann stellt sich die Frage nach dem Warum. An unseren Mitgliedsbeiträgen kann es nicht liegen. Diese sind so niedrig, daß sie nicht einmal die anfallenden Portokosten decken. (Anlage: Aufnahmeantrag und Beitragsliste). Gibt es Ihrerseits Fragen zur Mitgliedschaft? Rufen Sie uns doch einfach einmal an!
Wir sind nach wie vor montags bis freitags vormittags von 10.00 bis 13.00 Uhr in unserer Geschäftsstelle unter 0511 / 62 26 76 zu erreichen
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Rufen Sie uns an! Telefon 0511 / 62 26 76 (montags bis freitags vormittags von 10.00 bis 13.00 Uhr)



AANB e.V. • Tel.: 0511/62 26 76 • E-mail: aanb@aanb.de
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