Angehörigen Post
Ausgabe Nr.9

Liebe Angehörige, liebe Mitglieder und liebe Freunde,
Aufsuchende Hilfe für psychisch Kranke
Soziotherapie Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch, § 37a
Wie steht es nun um die nötigen Medikamente für psychisch Kranke?
Wir wollen die Ermordung psychisch Kranker durch die Nazis nie vergessen
Gesetz über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (GSiG) - Inkrafttreten ab 1. 1. 2003
Krisendienst Hannover freut sich über die neuen, eigenen Räume
Große Freude und Erleichterung in Braunschweig
Wir gratulieren dem VPE - Verein Psychiatrie-Erfahrener Hannover - zu seinem 10. Geburtstag!
Das SGB IX - Welche Erwartungen und Wünsche wird es erfüllen?
Chronologischer Bericht unserer Veranstaltungen im Jahr 2001
Neue Überweisungsträger - Mitglieder- und PSU-Abonnenten-Nummern
Sozialpsychiatrischer Plan 2002
Tagesveranstaltung in Oldenburg, 25. August 2001
Sind Sie schon Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker?

zur Ausgabe Nr. 8



Liebe Angehörige, liebe Mitglieder und liebe Freunde,


wir freuen uns, Ihnen die neunte Ausgabe unserer ANGEHÖRIGEN POST zusenden zu können. Wegen der großen Nachfrage haben wir die Auflage auf 4.000 Exemplare erhöht.
Wir danken allen Spendern für ihre finanzielle Unterstützung, ohne die weder der Druck und die Versendung der ANGEHÖRIGEN POST noch die Erstellung von vielfältigen schriftlichen Informationen oder die Aktualisierung unserer übers Internet abzurufenden Informationen möglich gewesen wäre. Ohne Ihrer aller Hilfe müßten wir unsere Arbeit in Zukunft erheblich reduzieren.
Besonderer Dank gilt den Firmen Janssen-Cilag und Lilly Deutschland GmbH sowie der AOK Niedersachsen und der Barmer Ersatzkasse.

Ihre Rose-Marie Seelhorst
Vorsitzende

.
.

Aufsuchende Hilfe für psychisch Kranke

Der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen hat entgegen den Empfehlungen der Aktion Psychisch Kranke (Gutachten erstattet im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit) die ambulante psychiatrische häusliche Krankenpflege nicht in den Leistungskatalog des Sozialgesetzbuches V, § 37 aufgenommen. Die Folgen sind katastrophal für psychisch Kranke und ihre Angehörigen.
Der Niedersächsische Landesfachbeirat Psychiatrie stellte in seiner Oktober-Sitzung fest, daß die Krankenkassen jetzt nur noch somatische häusliche Pflege finanzieren können und daß damit zum Ende der Modellerprobung Aufsuchende Psychiatrische Krankenpflege in Niedersachsen deutlich schlechtere Rahmenbedingungen herrschen als zu Beginn der Erprobung. „Es ist unglaublich, daß die alten – von uns kritisierten – Rahmenrichtlinien im SGB V immer noch günstiger für psychisch Kranke waren als die jetzt gültigen, die nunmehr die Bedürfnisse dieser Kranken praktisch ausklammern.“
Dieser Tatbestand verstößt gegen den § 27 des SGB V.
Bei der Krankenbehandlung ist den besonderen Bedürfnissen psychisch Kranker Rechnung zu tragen, insbesondere bei der Versorgung mit Heilmitteln und bei der medizinischen Rehabilitation …“
 


Soziotherapie Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch, § 37a

(1) Versicherte, die wegen schwerer psychischer Erkrankung nicht in der Lage sind, ärztliche oder ärztlich verordnete Leistungen selbständig in Anspruch zu nehmen, haben Anspruch auf Soziotherapie, wenn dadurch Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird oder wenn diese geboten, aber nicht ausführbar ist. Der Anspruch besteht für höchstens 120 Stunden innerhalb von drei Jahren je Krankheitsfall.
In der Zwischenzeit liegen die Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen vor und werden am 1. Januar 2002 in Kraft gesetzt.
Des weiteren liegt ein Entwurf zu Gemeinsamen Empfehlungen der Spitzenverbände der Krankenkassen gemäß § 132b Abs. 2 SGB V zu den Anforderungen an die Leistungserbringer für Soziotherapie vor…
Wann endlich können unsere Kranken Soziotherapie in Anspruch nehmen, wann werden die Verantwortlichen alle nötigen Richtlinien und Verordnungen erstellt, bzw. genehmigt haben ?


Wie steht es nun um die nötigen Medikamente für psychisch Kranke?

Pressemitteilung Nr. 117 des Bundesministerium für Gesundheit vom 9. November 2001: Vertrauen ist die Grundlage - Patientinnen und Patienten stehen bei uns im Mittelpunkt
Nach dem Deutschen Bundestag hat nun auch der Bundesrat dem Arzneimittelbudget-Ablösungsgesetz zugestimmt. Künftig wird ein neues Instrumentarium Qualität und Wirtschaftlichkeit bei der Verordnung von Arznei- und Heilmitteln sichern. Dazu erklärt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt:
„Grundlage einer erfolgreichen Behandlung von Krankheiten ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. In den vergangenen Jahren hatte sich eines deutlich gezeigt: Das Arznei- und Heilmittelbudget hatte die Atmosphäre in den Arztpraxen belastet. Patientinnen und Patienten mußten immer öfter erfahren, daß ihnen Leistungen wegen des Budgets vorenthalten wurden.
Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenseite regeln selbst, wie sie die Einhaltung des vereinbarten Ausgabenvolumens erreichen und welche Folgen eine Überschreitung haben wird. ..“
Dr. med. Hermann Munzel, Weyhe schreibt über seine Sorgen als niedergelassener Psychiater, der am Bundesmodell „Sozialpsychiatrische Schwerpunktpraxis“ beteiligt ist, u. a. an die AANB:
„Innerhalb der Selbstverwaltung der Ärzte ist eine Neuregelung in der Honorarverteilung für die psychiatrisch tätigen Nervenärzte und reinen Psychiater zu erreichen...
Es braucht dringend im versorgungspolitischen Feld, also auch außerhalb der KV-Systematik, eine Diskussion um die Gefährdung der Sicherstellung der ambulanten psychiatrischen Behandlung..“
Dr. med. Matthias Walle, Hemmoor schreibt an Gerd Kück (Angehörigengruppe Stade und Vorstandsmitglied der AANB) über seine Bedenken zu den von den Kassenärztlichen Vereinigungen und Kassen beschlossenen Richtlinien für die Medikamentenbudgets:
In der Aufstellung über Arzneimittel zur Ausnahme von Richtgrößenregelungen finden Sie sämtliche Medikamente, die aus der Budgetierung herausgenommen sind, darunter befinden sich zahlreiche Medikamente für Erkrankungen, die durchaus in der Chronizität und in der Schwere mit schweren psychischen Erkrankungen vergleichbar sind. Völlig ungerechtfertigt erscheint mir die Unterscheidung, daß Anti-Parkinson-Medikamente oder Antiepileptika vollständig in der Anlage aufgeführt sind, Neuroleptika oder Antidepressiva und Lithium jedoch nicht.
Das heißt offensichtlich, daß die Schizophrenie oder die affektiven Psychosen in ihrer Wertigkeit als chronische und langwierige Erkrankungen gegenüber der aus medizinischer Sicht bzgl. der Schwere und Dauer vergleichbaren Epilepsien und Parkinson-Erkrankungen weitaus geringer geschätzt werden - für mich eine Diskriminierung der chronisch psychisch Kranken.“
Wir Angehörigen psychisch Kranker sind von der Gesundheitspolitik der Bundesregierung enttäuscht. Psychisch Kranke sind nach wie vor somatisch Kranken gegenüber nicht gleichgestellt!


Wir wollen die Ermordung psychisch Kranker durch die Nazis nie vergessen

Am 17. August 2001 wurde auf dem Gelände des NLKH Wunstorf eine Gedenktafel enthüllt.
„…Hitler hatte am 1. 9. 1939 in der Berliner Tiergartenstr.4 die Ermächtigung zur sog. Euthanasie unterzeichnet, die die Vernichtung psychisch Kranker ermöglichte. Im Sprachgebrauch der Nazis hieß diese „Aktion T4“ und wurde unter diesem Namen bis heute benannt. Dabei standen die Kürzel „T4“ für die Adresse der „Kanzlei des Führers“, nämlich der Tiergartenstsraße 4 in Berlin. Den Tötungen im Rahmen der T4-Aktion fielen insgesamt über 70.000 psychisch Kranke zum Opfer.… “(Info-Blatt des NLKH Wunstorf)
Am 17. August fand eine Gedenkstunde statt und wurde gleichzeitig eine Wanderausstellung „Psychiatrie im Dritten Reich“ gezeigt. Während der Gedenkstunde kamen auch Ursula Conraths vom VPE (Verein Psychiatrie-Erfahrener Hannover) zu Wort und Rose-Marie Seelhorst von der AANB. U. Conraths beschrieb die Historie der Tafel. Der Impuls für diese Aktion war von den Psychiatrie-Erfahrenen ausgegangen. RM Seelhorst sagte u.a. : „Auch heute noch geschieht viel Unrecht in der Psychiatrie. Ich denke an die häufig vermeidbaren Demütigungen im Zusammenhang mit einer Einweisung ins psychiatrische Krankenhaus und die Kränkungen, die Betroffene nicht selten erleben, wenn sie dann im Krankenhaus um klärende Gespräche bitten. Psychisch krank zu werden ist ein Risiko, mit dem alle Gesunden leben. Wir müssen diese Tatsache in die Gesellschaft tragen. Ohne gesellschaftlichen Druck, d. h. ohne politisches Engagement wird es nicht gelingen, psychisch Kranke somatisch Kranken gegenüber gleichzustellen.“
 


Gesetz über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (GSiG) - Inkrafttreten ab 1. 1. 2003

Dr. Günter Breitschaft, Angehöriger aus Berlin:
Im Zuge der Rentenreform wurde auch das genannte Gesetz von Bundestag und Bundesrat beschlossen. Das Gesetz hat erhebliche Bedeutung für von psychischer Krankheit Betroffene – insbesondere bei chronischem Krankheitsverlauf – und für deren Angehörige. Die Leistungen werden beitragsunabhängig bei fehlendem Einkommen und Vermögen des Betroffenen erbracht. Die Angehörigen (Eltern und Kinder) werden weitgehend von der Unterhaltspflicht freigestellt.
Eine wesentliche Unterstützung der Gesetzesinitiative war sicher die Sammlung von 8500 Unterschriften durch die Landesverbände des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker.
Die Grundsicherung umfaßt den Bedarf für den notwendigen Lebensunterhalt einschließlich der Kosten für Unterkunft und Heizung, die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung und die Ausgaben für bestimmte Dienstleistungen. Die Höhe der Leistungen orientiert sich an den entsprechenden Sätzen des Sozialhilfegesetzes. Nicht enthalten sind weitergehende Leistungen für den Bedarf in besonderen Lebenslagen wie z. B. Eingliederungshilfe. Dieser Bereich verbleibt im Geltungsbereich der Sozialhilfe.
Zuständig für die Leistung ist der Kreis oder die kreisfreie Stadt, in dessen Bereich der Antragsberechtigte seinen gewöhnlichen Wohnsitz hat. Information und Beratung erfolgen von den regional zuständigen Trägern der Rentenversicherung. Dies gilt auch, wenn wie oft bei frühzeitig psychisch Erkrankten kein Rentenanspruch besteht. Auch die Sozialämter sind, wenn bisher Sozialleistungen erbracht wurden, zu Aufklärung verpflichtet.
Den Originaltext erhalten alle Interessenten auf Anfrage von der Geschäftsstelle der AANB!
 


Krisendienst Hannover freut sich

… über die neuen, eigenen Räume
Bisher nutzten die Mitarbeiter des PPKD die Diensträume des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises Hannover. Mit der Etablierung der Region Hannover ist es gelungen, dem Krisendienst eigene Räume zu verschaffen, und zwar im Haus der Region (ehemaliges Kreishaus) in der Hildesheimer Straße 20, 30171 Hannover. Die neue Rufnummer lautet 0511 / 616-2-2816.
Noch ein halbes Jahr lang werden Anrufe unter der alten Rufnummer angenommen, bzw. umgeschaltet.
Es sind neue grün-weiße Faltblätter und Taschenkärtchen gedruckt und an alle psychiatrischen Einrichtungen der Region und an die Mitglieder des Vereins der Psychiatrie-Erfahrenen in Hannover und die uns bekannten Angehörigen verteilt worden. Auch die Apotheken in der Region erhalten mehrere Exemplare der Faltblätter und Taschenkärtchen.
 


Große Freude und Erleichterung in Braunschweig

Braunschweiger Zeitung vom 08. 11. 01
„Vier Jahre nachdem der Sozialpsychiatrische Verbund in seiner konstituierenden Sitzung die Einrichtung eines ambulanten Krisendienstes als eine vordringlich zu schließende Versorgungslücke bezeichnete, nimmt die Anlaufstelle für Menschen in Konfliktsituationen ihre Arbeit auf. Unter der Ruf-nummer 05 31 /6 80 33 20 stehen samstags, sonntags und feiertags jeweils von 15 bis 23 Uhr je zwei Fachkräfte als Ansprechpartner zur Verfügung. ..Das Engagement von rund 60 Fachkräften aus psychosozialen Arbeitsfeldern, die für eine Aufwandsentschädigung im Krisendienst mitarbeiten, bezeichnet Diethard Schulz, Geschäftsführer des Sozialpsychiatrischen Verbundes, als überwältigend. Selbst die Dienste zu Weihnachten und Silvester konnten ohne Probleme besetzt werden.“
 


Wir gratulieren dem VPE - Verein Psychiatrie-Erfahrener Hannover - zu seinem 10. Geburtstag !

Am Freitag, den 30. November 2001 fand die große Geburtsfeier des VPE statt. Nicht nur der VPE sondern alle an der Psychiatrie interessierten Bürger hatten Grund, dieses Ereignis zu feiern.
Vor 10 Jahren war es noch etwas recht Exotisches, einen Verein von und für psychisch Kranke zu gründen. Heute ist der VPE selbstverständlicher Bestandteil der psychiatrischen Versorgungsangebote Hannovers.
Wir Angehörigen wünschen dem VPE viele neue Mitglieder, damit sein Einfluß auf die Planung und Qualitätskontrolle der psychiatrischen Angebote in Hannover weiter wächst.  


Das SGB IX - Welche Erwartungen und Wünsche wird es erfüllen?

Änderungen des BSHG durch das SGB IX (Aus Rechtsdienst der Lebenshilfe 2/01)
„Mit dem SGB IX wird auch die Heranziehung Unterhaltspflichtiger neu geregelt.

„Wird ein behinderter Mensch in einer Einrichtung der Behindertenhilfe vollstationär betreut, so umfaßt die Vergütung, die der Einrichtungsträger erhält, die Kosten der Eingliederungshilfe einschließlich der Kosten von Unterkunft und Verpflegung (§§ 93 ff., 27 Abs. 3 BSHG). Um sich von diesen Kosten, die monatlich häufig über 3.000 DM liegen, zu entlasten, mußten eine ganze Reihe von Eltern bisher z. T. erhebliche Unterhaltszahlungen an den Sozialhilfeträger leisten. Mit der Neufassung des § 91 Abs. 2 BSHG, die am 01. 01. 2002 in Kraft tritt, wird der Unterhalt für alle Eltern ohne Altersgrenze für das volljährige behinderte Kind auf 50,— DM festgelegt. Dieser Unterhaltsbeitrag ist lebenslang zu zahlen, sofern die Eltern leistungsfähig sind.
 


Chronologischer Bericht unserer Veranstaltungen im Jahr 2001

17. März 2001, Mitgliederveranstaltung der AANB in Hannover

Am Vormittag fand ein lebhafter Erfahrungs- und Informationsaustausch der anwesenden Mitglieder statt, nachmittags dann die eigentliche Mitgliederversammlung.

Frau Seelhorst berichtete über die Situation in Niedersachsen und Frau Bauer über die in der Hansestadt Bremen.
Herr Herbort, der kurzfristig für den im Vorjahr gewählten und erkrankten Schatzmeister eingesprungen war, erläuterte den Jahresbericht 2000.
Turnusgemäß stand die Wahl des gesamten Vorstandes an.
Vorsitzende: Rose-Marie Seelhorst
Stellvertreterin: Annelise Bauer
Schatzmeister: Franz Herbort
Schriftführer: Gerd Kück
Beisitzerin: Karin König
Rechnungsprüfer: Marlies Wiedemann
Stellvertreter: Joachim de Neuf
Allen Mitgliedern wurde das Protokoll der Mitgliederversammlung zugesandt.
Die Beiträge werden ab 2002 dem neuen Zahlungsmittel, dem EURO, angeglichen und sehen wie folgt aus:
Ordentliche Einzelmitglieder zahlen jährlich EURO 10,—
Fördernde Mitglieder EURO 25,—
Gruppenmitglieder EURO 5,—
Diese Beiträge verstehen sich als Mindestbeiträge. Sie sind mit Rücksicht auf finanziell schlecht gestellte Mitglieder extrem niedrig.
Wer die PSU über die AANB bezieht, zahlt in Zukunft EURO 12,—

.5. Mai 2001, Mitgliederkonferenz in Göttingen

Angehörigeninteressen formulieren und in den psychiatrischen Fachgremien der Kommunen und der Länder vertreten

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Rose-Marie Seelhorst die Tischvorlagen. Anschließend berichteten alle Teilnehmer über die psychiatrischen Aktivitäten in den jeweiligen Regionen. Dabei wurde wieder deutlich, wie unterschiedlich die Bereitschaft zur Zusammenarbeit der professionell Tätigen untereinander und mit den Psychiatrie-Erfahrenen und den Angehörigen in den Städten und Landkreisen Niedersachsens aussieht.
Allen Teilnehmern war das Thema Krisen- und Notfalldienst besonders wichtig.
Eine Teilnehmerin berichtete über schlechte Erfahrungen in einer reinen Profi-Veranstaltung, bei der sie sich in ihrer Eigenschaft als Angehörige diffamiert fühlte.
Margret Loeser, Angehörige, moderierte die Veranstaltung. Bernhard Böckmann, Angehöriger, schrieb das Protokoll, das in der Zwischenzeit mit den Konferenzteilnehmern abgestimmt wurde.
Da das Thema dieser Konferenz weiter behandelt werden muß, soll es im Jahr 2002 eine Folgekonferenz geben, wahrscheinlich in Hannover.

9. Juni 2001, Mitgliederkonferenz in Nienburg

Begleitung eines psychisch Kranken mit akuter Suchtproblematik

Rudolf Burr berichtete über die schlechten Erfahrungen bei der Suche nach ärztlicher Hilfe für seinen Sucht- und Psychosekranken Sohn. Erste Hilfe kam durch die Teilnahme an einer Angehörigengruppe.
Im kommenden Jahr soll sich eine Tagesveranstaltung zu diesem Thema widmen.
Gudrun Tissler-Bernd, Angehörige, moderierte die Konferenz. Peter Arp, Angehöriger, schrieb das Protokoll.

25. August 2001, Tagesveranstaltung in Oldenburg

Angehörige psychisch Kranker zwischen Ausgrenzung und Verantwortung

Referenten: Helgard Kühn berichtete aus Sicht einer Mutter über ihre Erfahrungen mit der Psychiatrie.
Hätten die Ärzte uns Eltern früher in ihre Überlegungen einbezogen, wäre das für die ganze Familie besser gewesen!
Dr. soc. Peter Bastiaan von der Medizinischen Hochschule Hannover schilderte einen „Fall“ aus seinem Freundeskreis:Das schwarze Loch im sozialpsychiatrischen Hilfesystem, wobei ihm, dem langjährigen Profi, klar wurde, wie schwierig es ist, Angehöriger eines psychisch Kranken zu sein.
Monika Kessler und Ulrich Welk berichteten über ihre Erfahrungen in der Gesellschaft als Psychiatrie-Erfahrene und zum Thema
Der Trialog im Psychose-Seminar - Sinn und Nutzen für die Teilnehmer.
Dr. med. Matthias Walle beantwortete aus Sicht des Niedergelassenen Psychiaters unsere Frage
„Wie halte ich es mit den Angehörigen meiner Patienten?“
Peter Arp, Angehöriger aus Wilhelmshaven, der die Veranstaltung moderierte, faßte am Ende die wichtigsten Wünsche der Angehörigen zusammen. Sie finden sie aufgelistet in der Tagungsdokumentation, die allen Mitgliedern zugesandt wurde.

22. September 2001, Mitgliederkonferenz in Stade

Wege zu mehr Verständnis und Kooperation zwischen Angehörigen und professionellen Mitarbeitern in der Psychiatrie

Die AANB hatte bereits in den Jahren 1999 und 2000 zu Konferenzen nach Stade eingeladen, in denen sich die Teilnehmer mit Diskriminierung und Ablehnung von Angehörigen psychisch Kranker beschäftigten. Bei dieser dritten Konferenz sollte über die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Profis mit den Angehörigen gesprochen werden.
Einstieg in das Konferenzthema boten die am 25. August in Oldenburg gehörten Referate, vor allem das von Dr. soc. Bastiaan. Gerd Kück, Angehöriger, berichtete.
Vera Kropp, Mitarbeiterin von Freie Soziale Dienste Friesland gGmbH referierte zu dem Thema „Miteinander - Gegeneinder, Kooperationsprobleme zwischen professionell in der Psychiatrie Tätigen“ . Das sehr beeindruckende Referat machte deutlich, daß es einer nicht unerheblichen Zahl von Mitarbeitern in der Psychiatrie offenbar prinzipiell schwer fällt, mit anderen zu kooperieren.

20. Oktober 2001, Tagesveranstaltung in Hannover

Betreuung psychisch Kranker

Klaus Pflüger, Angehöriger, gab den Einstieg ins Tagesthema mit seinem Referat “Betreuung - eine sehr häufig benutzte Bezeichnung für unterschiedliche Aufgaben.“
Margret Loeser, Angehörige, berichtete über ihre Erfahrungen mit einem vom Gericht bestellten Betreuer
Anette Loer, Richterin am Vormundschaftsgericht Hannover, sprach zum Thema „Betreuung - nicht Bevormundung. Als Vormundschaftsrichterin kann ich psychisch Kranken durch die Beiordnung eines Betreuers helfen“
Hartmut König, Angehöriger referierte zu dem Thema “Soziale Betreuung - Unterstützung und Mangel aus Sicht eines betroffenen Vaters.“
Bernhard Scholz, Angehöriger, moderierte die Veranstaltung.
Jedes Referat fand viel Interesse.
Ziel der Veranstaltung war es, den vielfach benutzten Begriff des Betreuers abzuklären, und um besser entscheiden zu können, ob die angebotene Form der Unterstützung wirklich dem Kranken helfen kann.
Bei allen Veranstaltungen stand den Teilnehmern umfangreiches Info-Material, teilweise als Tischvorlage aufbereitet, zur Verfügung
Wegen des großen Interesses an unseren Veranstaltungen werden wir auch in diesem Jahr wieder Dokumentationen erstellen, die allen Mitgliedern der AANB zugesandt werden. Für alle anderen Interessenten wird bei den kommenden Veranstaltungen im nächsten Jahr eine begrenzte Menge von Dokumentationen zur Verfügung gestellt werden.
.  


Neue Überweisungsträger - Mitglieder- und PSU-Abonnenten-Nummern

Gleichzeitig mit der Erstellung neuer (einheitlicher) Überweisungsträger hat der Vorstand der AANB sich entschlossen, Mitglieds-Nummern einzuführen. Wir haben allen Mitgliedern der AANB und der PSU ihre Mitglieds-, bzw. Abo-Nr. mitgeteilt. Wenn Ansprechpartner von Mitglieds-Gruppen, bzw. -Vereinen selbst Ordentliche oder Fördernde Mitglieder sind, haben wir ihnen zwei Nummern mitgeteilt. Ehepaare, die Ordentliche Mitglieder sind, haben eine gemeinsame M-Nr. erhalten. Ehepaare, die Fördernde. Geben Sie in Zukunft bei Überweisungen nicht nur Ihren Namen und Wohnort sondern auch diese persönliche Nummer an. Sie erleichtern uns damit die Arbeit erheblich.


Sozialpsychiatrischer Plan 2002

Die Frage nach den vordringlichen Bedürfnissen zur besseren Versorgung Psychisch Kranker wurde von Hannovers Angehörigen im Sozialpsychiatrischen Plan 2002 (Auszug) wie folgt beantwortet:
• Aufsuchende Hilfe in der Wohnung
• Psychiatrischer Krisendienst rund um die Uhr
• Behandlungsbegleitende Gesprächstherapie
• Ärztliche Sorge für die Gesamtgesundheit des Kranken
• Mehr qualifiziertes Personal in den Einrichtungen
• Arbeitsplätze für psychisch Kranke, die an deren Fähigkeiten und Interessen anknüpfen
• Einbindung in die gesunde Gesellschaft statt Aufbau einer psychiatrischen Subkultur
• Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Kranken, seinen Angehörigen und seinen professionellen Helfern (Trialog)


Tagesveranstaltung in Oldenburg, 25. August 2001

Dr. Bastiaan erntete als professioneller Helfer viel Zustimmung, als er die Leistung der Angehörigen von psychisch Kranken würdigte und für sie Ansprüche formulierte

Aufgaben einer verantwortlichen Bezugsperson für psychotische Patienten
• Einberufung einer Hilfekonferenz aller beteiligten Hilfe-Instanzen
• Aufbau eines langfristigen regelmäßigen, vertrauensvollen Kontaktes
• Information und Kontrolle des Zustandes der Ernährung und des Wohnens
• Mit der Patientin Kontakt- und Hilfsangebote im Wohnsektor aufsuchen
(Kontaktstelle, Tagesstätte, Freizeitheime, usw.)
• Information anderer Personen im Hilfesystem, wenn Patient/in Kontakt abbricht oder ärztliche Termine nicht wahrnimmt

Die Wünschenswerte Haltung der Professionellen gegenüber Angehörigen
• Angehörige schätzen die Krankheits-Symptomatik richtig und manchmal besser ein als Professionelle
• Angehörige benötigen unsere Hochachtung, weil sie als einzige oft besser als Freunde oder Professionelle einen dauerhaften Kontakt zum kranken Familienmitglied pflegen
• Angehörige haben hohe persönliche und finanzielle Opfer zu tragen und müssen dringend entlastet werden
• Angehörige sind bereit, professionellen Rat anzunehmen
• Angehörige können sehr gut zwischen kranken und bösen Verhaltensweisen (mad oder bad) unterscheiden
• Überfürsorglichkeit von Angehörigen ist oft eine Reaktion auf psychotisch-hilfloses Verhalten eines Kranken und wäre bei ausreichender professioneller Hilfe überflüssig
• Angehörige können sich durch Fachliteratur über Erkrankungen kundig machen
• Es besteht oft ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt: Enttäuschung, Wut und Resignation der Angehörigen lassen sie als Querulanten erscheinen, darauf reagieren Professionelle mit Ablehnung

Angehörige brauchen folgende professionelle Hilfe
• Jederzeit von Professionellen angehört werden (kein Verstoß gegen Schweigepflicht)
• Neutralität, keine einseitige Parteinahme für die Kranken
• Ernst nehmen ihres Leidens und ihrer Belastung
• Aufklärung über Symptomatik und Verlauf psychischer Erkrankungen
• Aufklärung über Behandlungs-Möglichkeiten
• Aufklärung über psychiatrische Versorgungs- und Hilfsangebote
• Ermutigung, Grenzen zu setzen und eigene Rechte und Bedürfnisse aufrecht zu erhalten
• Verständnis für die Krankheit


Sind Sie schon Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker?

Wenn nicht, dann stellt sich die Frage nach dem Warum. An unseren Mitgliedsbeiträgen kann es nicht liegen. Diese sind so niedrig, daß sie nicht einmal die anfallenden Portokosten decken. (Anlage: Aufnahmeantrag und Beitragsliste). Gibt es Ihrerseits Fragen zur Mitgliedschaft? Rufen Sie uns doch einfach einmal an!
Wir sind nach wie vor montags bis freitags vormittags von 10.00 bis 13.00 Uhr in unserer Geschäftsstelle unter 0511 / 62 26 76 zu erreichen
.

Rufen Sie uns an! Telefon 0511 / 62 26 76 (montags bis freitags vormittags von 10.00 bis 13.00 Uhr)



AANB e.V. • Tel.: 0511/62 26 76 • E-mail: aanb@aanb.de
IBAN DE28 2505 0180 2006 8088 32 • Sparkasse Hannover • BIC SPKHDE2HXXX