Angehörigen Post
Ausgabe Nr.8

Liebe Angehörige, liebe Mitglieder und liebe Freunde,


vor Ihnen liegt die 8. Ausgabe unserer ANGEHÖRIGEN POST, die in einer Auflage von 3.200 Exemplaren erstellt wurde. Sie enthält u. a. eine Reihe von Berichten, z. B. über die Auswertung der Fragebögen an die niedergelassenen Psychiater in Niedersachsen und Bremen.
Das Schwergewicht der professionellen Psychiatrieplanung liegt im Aufbau von Strukturen. Soweit so gut und nötig. Die Angehörigenvertreter in den kommunalen und Landes-Gremien setzen sich besonders für eine Anpassung - und wenn nötig Änderung - der Angebotsinhalte ein, damit diese sich besonders an den Bedürfnissen Schwerkranker entsprechen.
Die Defizite in der Versorgung psychisch Schwerkranker sind kaum zu ertragen. Wir sagen es immer wieder: Aufsuchende Hilfe wird gebraucht. Nicht nur die Kranken selbst sondern auch wir, ihre pflegenden und sorgenden Angehörigen tragen die Last fehlender ambulanter Angebote.
Besonders danken wir der AOK Niedersachsen, der Barmer Ersatzkasse und der Firma Janssen-Cilag GmbH, deren großzügige Spenden uns auch eine aktuelle und informative Internet-Präsentation ermöglichen.
Wir danken allen Spendern ganz herzlich!

Ihre Rose-Marie Seelhorst
Vorsitzende

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Wer so wirbt ist dumm oder ?

"Ich will günstig fliegen und trotzdem hervorragenden Service. Bin ich schizophren? Deutsche BA: Deutschlands vernünftige Airline" - Werbung in Spiegel Nr. 42, Seite 83.
Dazu Peter Arp, Wilhelmshaven an den Vorstand der Deutsche BA:
"ich habe gestern im Spiegel Nr. 42 den Artikel ‚Die stillen Helden' über die Hilfen für verfolgte jüdische Mitbürger in Nazi-Deutschland gelesen. Mitten im Artikel hat das Magazin eine Werbeseite Ihrer Fluggesellschaft Deutsche BA veröffentlicht. ..Ist Ihnen und Ihren Mitarbeitern eigentlich bekannt, daß ‚schizophren' eine medizinische Diagnose ist, die eine äußerst schwere Krankheit definiert, die für die Erkrankten und ihre Angehörigen einer persönlichen Katastrophe gleich kommt? ...Es war für mich bisher unvorstellbar, daß seriöse deutsche Unternehmen Geld mittels der Stigmatisierung kranker Mitbürger und ihrer Angehörigen verdienen wollen. .."
 


Erwerbsunfähige psychisch Kranke und Behinderte häufig ohne Rentenanspruch

Menschen, die bereits im Kindes- und Jugendalter durch den Eintritt einer schweren Behinderung an der Ausübung einer Erwerbstätigkeit gehindert wurden, erhalten keine Rente! Sie sind auf Leistungen aus dem Sozialhilfegesetz angewiesen und unterliegen damit einer ganzen Reihe von Benachteiligungen gegenüber allen Rentenempfängern. Psychisch Kranke, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, sind zur Armut verdammt. Sie können sich nicht wie EU-Rentner etwas dazu verdienen, ohne daß diese Einnahmen auf ihre Bezüge angerechnet werden. Ihnen steht nur ein niedriges "Schonvermögen" zu.
Das ist eine schwere Benachteiligung, die es laut Grundgesetz nicht geben dürfte.
Die Bundesregierung wird deshalb von uns aufgefordert, im Rahmen ihrer Gesetzgebungskompetenz dafür Sorge zu tragen, daß vorhandene Benachteiligungen bei der sozialen Absicherung von Menschen mit schweren Behinderungen schnellstens beseitigt werden.
Deshalb wenden sich alle Landesverbände der Angehörigen psychisch Kranker - also auch die AANB - mit einer entsprechenden Unterschriftenaktion an die politisch Verantwortlichen in den Ländern und auf der Bundesebene. Wer sich an dieser Aktion beteiligen möchte, möge sich entweder an die nächste Angehörigen-Gruppe oder direkt an die Geschäftsstelle der AANB in Hannover wenden.
 


Psychiatrie und Gesellschaft

Im Schauspielhaus Hannover wurde "IRRE" von Rainald Goetz uraufgeführt. Begleitend werden Aktionen angeboten, die interessierten Bürgern Gelegenheit bieten sollen, mehr über das Thema Psychiatrie zu erfahren.
Auch die AANB wurde zu einem Aktionstag eingeladen, um mit einem Tisch voller Informationen und der Bereitschaft zu Gesprächen interessierten Besuchern einen Eindruck über ihre Anliegen zu vermitteln.
So schön, so gut, dachten wir bei der AANB.
Aber der Abend dieses Aktionstages - es ist der 25. November 2000 - soll mit einer Podiumsdiskussion von geladenen Gästen zum Thema Wozu Wahnsinn - Podiumsgespräch zur Abschaffung des Krankheitsbegriffes schließen. Und das geht nun wirklich nicht mit uns. Was Rainald Goetz von der Sozialpsychiatrie hält, ist eine Sache, aber was dann mit den Besuchern gemacht wird, ist eine andere.
Wir setzen uns für die Gleichstellung psychisch mit somatisch Kranken ein und nicht für die Abschaffung des Krankheitsbegriffes. Haben sich die Verantwortlichen im Schauspielhaus Hannover wirklich mit dem Thema befaßt oder wollen sie nur provozieren, um ein volles Haus zu haben?
 


Zwei wichtige Nachrichten für alle Hannoveraner (Stadt und Landkreis) !

1. Der Psychosoziale/Psychiatrische Krisendienst erweitert sein Angebot. Vom 1. Januar 2001 an wird allen Hilfesuchenden nun auch freitags, und zwar von 15.00 bis 20.00 Uhr geholfen. Feiertags, Samstags und Sonntags bleibt alles wie bisher, nämlich von 12.00 bis 20.00 Uhr.
2. Der Psychosoziale/Psychiatrische Krisendienst ist von der Wilhelmstraße 4
in die Nr. 3 - 5 umgezogen.
 


Ein bißchen moralische Unterstützung können wir brauchen.

Ein hannoverscher Arzt schreibt an uns: "...Darf ich Ihnen sagen, daß ich in Ihrer Selbsthilfeorganisation einen bewunderungswürdigen Rest von Freiheitlichkeit und Eigenverantwortlichkeit mündiger Bürger in unserer Berufspolitiker-Aristokratie mit schwachem demokratischen Einschlag sehe."
 


In eigener Sache

Wir brauchen dringend mehr politisches Gewicht:
Deshalb werden Sie Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker in Niedersachsen und Bremen (AANB) e.V.
Einzelmitglieder zahlen jährlich nur DM 20,-, bzw. DM 50,- als fördernde Mitglieder.
 


Lücken in der Versorgung

Wir fordern die effektive Gleichstellung von psychisch mit somatisch Kranken!

Ob es sich um Leistungen nach dem SGB V (gesetzliche Krankenversicherung) oder dem SGB XI (Pflegeversicherung) handelt, psychisch Kranke werden wie Menschen 2. Klasse behandelt. Das liegt an den Gesetzen, bzw. der mangelnden Einsicht der Menschen, die unsere Gesetze formulieren.
SGB V (Gesetzliche Krankenversicherung) §37: Wie lange noch sollen wir Angehörigen die einzigen häuslichen Pfleger unserer Kranken bleiben? Sowohl in Bremen als auch in fünf Modellregionen Niedersachsens zeigt es sich, daß Leistungen der ambulanten psychiatrischen Pflege verhindern, daß psychisch Kranke mit einem vorübergehend großen Hilfebedarf vereinsamen und verwahrlosen oder letztendlich aus Hilflosigkeit (im wahrsten Sinne des Wortes!) in Heimen untergebracht werden.
SGB XI: Psychisch Kranke im erwerbsfähigen Alter erhalten selten Leistungen nach dem Pflegegesetz, auch wenn ihr Hilfebedarf dauernd so groß ist, daß z. B. ein mit der Pflege betrauter Angehöriger seine Berufstätigkeit aufgeben muß, um dem Kranken ein Leben in den eigenen vier Wänden oder in der Familie zu ermöglichen. Und das liegt an den gültigen Begutachtungsrichtlinien, die von einem Krankheitsbild ausgehen, das selten dem eines jüngeren, schwer psychisch Kranken entspricht.

Und wie sieht es nun mit der von den Profis viel besungenen Soziotherapie aus? Sie steht zwar im SGB V als verschreibungsfähige Pflichtleistung der Krankenkassen. Aber was ist los. Es gibt bisher keine Anbieter! Sind die Wege verschüttet? Wie lange sollen unsere Kranken noch auf dieses Leistungsangebot warten?
 


Kontrolle von Angeboten

Wer prüft psychiatrische Einrichtungen? Werden die Bedürfnisse der Schwerkranken besonders berücksichtigt? Steht genügend geeignetes Personal zur Verfügung? Welches sind die Inhalte und Ziele des jeweiligen Angebotes? Kurz: Wie steht es um die Qualität der Angebote für psychisch Kranke?

In Niedersachsen machen das die "Besuchskommissionen". Dazu heißt es im Niedersächsischen Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (in der Fachwelt kurz NPsychKG genannt) im 4. Teil, der die Überschrift Ausschuß für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung, Besuchskommissionen trägt, in § 30:
(1) Das Sozialministerium beruft einen Ausschuß für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung.
(2) Der Ausschuß prüft, ob die in §1 Nr. 1 genannten Personen- die infolge einer psychischen Störung krank oder behindert sind oder gewesen sind oder bei denen Anzeichen für eine solche Krankheit oder Behinderung bestehen - entsprechend den Vorschriften dieses Gesetzes betreut und behandelt werden. Er soll für die Belange dieses Personenkreises eintreten und in der Bevölkerung Verständnis für dessen Lage wecken.
(3) Der Ausschuß bildet für die mit den in § 1 Nr. 1 genannten Personen befaßten Krankenhäusern und Einrichtungen eines jeden Regierungsbezirks eine oder mehrere Besuchskommissionen. ..
(4) Die Besuchskommissionen haben die Krankenhäuser und Einrichtungen im Sinne des § 3 in dem ihnen vom Ausschuß zugewiesenen Bereich in der Regel einmal jährlich zu besuchen. Sie können, wenn es ihnen angezeigt erscheint, von einer vorherigen Anmeldung ihres Besuches absehen. Die Besuchskommissionen berichten dem Ausschuß über festgestellte Mängel sowie über Möglichkeiten, die Behandlung und Betreuung des betroffenen Personenkreises zu verbessern. Feststellungen, die zu Beanstandungen oder Anregungen Anlaß geben, sind mit der Leitung des betroffenen Krankenhauses oder der Einrichtung im Sinne des Absatzes 3 zu erörtern. ..
Die Besuchskommission des Regierungsbezirkes Hannover hat für Ärger bei der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege gesorgt, weil viele ihrer Besuche in Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen nicht vorher angemeldet wurden.
Unseren Teilnehmern von der Tagesveranstaltung am 24. Juni 2000 in Bremen ist das Thema gut bekannt. Dort wurde eine Resolution formuliert und zusammen mit einer langen Unterschriftenliste an die Niedersächsische Sozialministerin gesandt.
Brigitte Pothmer, Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, selbst Mitglied der Besuchskommission Hannover hat am 22. Juni 2000 den Nds. Landtag aufgefordert, Stellung zu beziehen. Der Antrag wurde an den Ausschuß für Sozial- und Gesundheitswesen des Landtages verwiesen. Dort stand das Thema am 1. November auf der Tagesordnung und wurde nach heftigen Auseinandersetzungen an den Gesetzgebungs-/Beratungsdienstes des Landtages verwiesen.
 


Medicine Meets Millennium

Weltkongress Medizin und Gesundheit vom 21. Juli bis 20. August 2000 in Hannover.
Grußadresse der AANB und des BApK:
Wir Angehörigen psychisch Kranker erleben unmittelbar die Not von psychisch Kranken und ihren Familien in einem vom Kosten-Nutzen-Denken dominierten Medizinbetrieb. Wo kann sich da noch Heil-Kunst behaupten ?
Wie kann eine Kunst der Menschenbegegnung und eine Kunst der Krankenpflege in unserer Gesellschaft Raum gewinnen bei einem gnadenlosen Preisdruck ?

Wir vermissen eine Bau-Kunst, die menschenfreundliche Krankenhäuser hervorbringt, in denen sich erkrankte Menschen geborgen fühlen können.
Wir sind in Sorge um die zunehmenden psychischen Erkrankungen von Kindern :
Sie sind in Gefahr, in unserer technisierten und von elektronischen Medien beherrschten Kultur in ihrer Sinneserfahrung, ihrer Sprache und ihren sozialen Fähigkeiten zu verarmen und unter Stress schwer zu erkranken.

Könnte Kunst im Lebensalltag als persönlicher Ausdruck und Selbstbestätigung für Kinder und Erwachsene so gefördert werden, daß sie ein Gegengewicht bildet zu dem unverzichtbaren Umgang mit Apparaten? Sollte nicht auch in Kranken- und Pflegeeinrichtungen ein Angebot von Chorsingen, Malen, Rezitieren, Plastizieren, Tanzen … zum Alltag dazugehören ? !
Die Angehörigen psychisch Kranker sind an den Ergebnissen Ihres Kongresses interessiert :
Wir wünschen Ihnen gute Ideen und möchten gern erfahren, welche der psychischen Gesundheit dienenden Projekte durch Ihren Millenniumskongress ins Leben gerufen werden.
(Wernhild Contenius, AANB)
 


Chronologischer Bericht unserer Veranstaltungen seit Erscheinen der 7. Ausgabe der ANGEHÖRIGEN POST

 
18. September 1999, Bockholzer Gemeindezentrum Stade

Konferenz: Diskriminierung psychisch Kranker - was können wir Angehörigen dagegen unternehmen?
Frau Wollank, Stade die auch die Konferenz moderierte, führte in das Thema ein. Gesprächsgrundlage waren zwei Vorträge: Herr Kück, Oldendorf informierte die Teilnehmer über die Inhalte eines Symposiums des Landesverbandes Thüringen am 19. 06. 99 zum Thema "Psychisch Kranke im Spiegel der öffentlichen Meinung" und Frau Tissler-Berndt, Stolzenau berichtete über skandalöse Erfahrungen in psychiatrischen Einrichtungen. Nach den Vorträgen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, ihre Erfahrungen mit Diskriminierung psychisch Kranker zu berichten. Anschließend an die Konferenz der AANB fand ein Interview von Mitarbeitern der Leipziger Uni-Klinik statt, die sich z.Zt. mit dem gleichen Thema beschäftigen.
 

9. Oktober 1999, Eilenriedestift Hannover

Jubiläumsfeier: 10 Jahre Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker in Niedersachsen und Bremen - ein Grund zum Feiern ?"
Nach einer Reihe von herzlichen Begrüßungsworten und Glückwünschen berichtete Rose-Marie Seelhorst, Vorsitzende der AANB, über die Arbeitsziele und -inhalte der AANB in den vergangenen 10 Jahren*. Den Festvortrag "Bedeutung der Angehörigenarbeit in der Psychiatrie" hielt Herr Dr. Eberhard Höfer, Hildesheim*. Joachim de Neuf, Angehöriger aus Hannover*berichtete über "Die Telefonbereitschaft der AANB - eine Form der Selbsthilfe".
Nach der Mittagspause hieß das Thema "Angehörigenarbeit in kommunalen sozialpsychiatrischen Gremien". Annelise Bauer berichtete aus der Bremer Arbeit und Wernhild Contenius* vom Sozialpsychiatrischen Verbund Hannovers. Nach allen Vorträgen war Zeit für Nachfragen und Diskussionen. Den Teilnehmern wurden umfangreiche Tagungsunterlagen zur Verfügung gestellt, u. a. eine Auflistung aller Veranstaltungen der AANB in den vergangenen 10 Jahren mit Nennung der Themen und der Referenten*.
Besonders dankbar waren die Teilnehmern den Mitgliedern von "Die Therapie-Resistenten" aus Bremen, die unter Leitung von Anne Foldrownik für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten.

20. November 1999, Bezirksregierung Oldenburg

Tagesveranstaltung: Medizinische und berufliche Rehhabilitation psychisch Kranker als Kooperationsleistung aller Beteiligten.
Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf einer Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation ist auch bei psychisch Kranken die intensive ärztliche Begleitung. Dr. Houchangnia, ärztlicher Leiter der psychiatrischen Abteilung am St. Vinzenz-Hospital in Haselünne, referierte über die Möglichkeiten medikamentöser Behandlung psychisch Schwerkranker mit dem Schwerpunkt atypische Neuroleptika. In der anschließenden Diskussion wurden ihm viele Fragen von den Teilnehmern gestellt.
Dr. Wollny*, leitender Psychologe am Universitätsklinikum Saar, berichtete über die Ziele der beruflichen Rehabilitation an der Universitätsklinik in Homburg. Er führte aus, daß es falsch sei, für alle psychisch Kranken gleiche Rehabilitationsinhalte und -ziele zu haben, da psychisch krank nicht gleich psychisch krank sei. Zu einer erfolgversprechenden Reha-Maßnahme gehöre auch die Verfolgung der realen Situation auf dem Arbeitsmarkt der betreffenden Region.
Gerd Kück, Angehöriger aus Oldendorf* berichtete über erfolgreiche Umschulungen psychisch Kranker in Hamburg. Er schilderte den Verlauf der Erkrankung vom Zeitpunkt der Einweisung ins psychiatrische Krankenhaus ausgehend bis hin zu einer erfolgversprechenden Umschulungsmaßnahme.


24. 06.2000, ZKH Bremen

Tagesveranstaltung:
Betreuung und Begleitung psychisch Kranker vom Krankenhaus in die Selbständigkeit
Referenten: Hermann Löwe, Grasberg* und Torsten Mährländer, Bremen sprachen über ihre eigenen Erfahrungen mit der Psychiatrie, H. Faulbaum -Decke, Leitender Projektkoordinator Bremen* über "Ambulante Psychiatrische Krankenpflege - für wen?", Joachim Heimler, Heimleiter, Vorsitzender der DGSP Bremen* "Wer braucht ein Wohnheim?", RA Tillmann Welzel, Berufsbetreuer Bremen* "Welche Hilfe kann ein vom Gericht bestellter Betreuer leisten?"
 

19. August 2000, ProTechna Oldenburg

Konferenz: Die Antwort der Ärzte: Ergebnisse der Fragebögen der AANB an die niedergelassenen Nervenärzte in Niedersachsen und Bremen

Das Interesse unserer Mitglieder an dieser Konferenz war besonders groß. Die Moderation hatte Wernhild Contenius, Hannover übernommen, das Protokoll schrieb Peter Wilhelm Arp, Wilhelmshaven.
Grundlage der Konferenz waren die Antworten auf die Fragebögen, die von der AANB im vergangenen Jahr (1999) an alle ihr bekannten niedergelassenen Nervenärzte in Niedersachsen und Bremen versandt worden waren.
Protokoll: "Der an ca. 500 niedergelassene Nervenärzte verschickte Fragebogen wurde von den Angehörigen mit Unterstützung einer Ärztin aus Hannover entworfen. Der Rücklauf betrug etwa 10%. … Einige Ärzte hatten zusätzliche schriftliche Anmerkungen, bzw. Erläuterungen zu den Fragen ihrer Antwort beigelegt. … Die Umfrage soll helfen, daß die niedergelassenen Ärzte und die Angehörigen besser miteinander ins Gespräch kommen. Dabei möchten die Angehörigen auch mehr über die Probleme der Ärzte erfahren."
Die Fragen bezogen sich auf folgende Themen: Art der Praxis, Arbeitsstil der Praxis, Abrechnung und Honorar, Weiterbildung
Und so sahen die Ergebnisse der Befragung aus:
Art der Praxis: 2% der Antwortenden sagen, daß der Anteil ihrer Patienten, die an einer Form der Schizophrenie erkrankt sind, bei 30 bis 50% liegt. Bei allen anderen sind es weniger.
Arbeitsstil der Praxis: Über 70% bieten Psychotherapie an, 55% psychoedukative Gruppenarbeit - teilweise mit Beteiligung der Angehörigen. Alle schrieben, daß sie an einer intensiven Zusammenarbeit mit den Angehörigen interessiert sind.
Die Hälfte der Antwortenden bietet "offene Sprechstunde" an.

Ein Drittel der Antwortenden mißt somatischen Untersuchungen einen eher niedrigen Stellenwert zu.
Medikamentöse Empfehlungen der psychiatrischen Kliniken werden von fast allen Befragten sehr ernst genommen.

Die Frage nach der Verschreibung von sogen. atypischen Medikamenten wird sehr unterschiedlich beantwortet, was sicher an der unterschiedlichen Patientenstruktur zusammenhängt, evtl. auch mit der Sorge um höhere Kosten und den Folgen für das gemeinsame Budget. Immerhin verschreiben ca. 25% der Antwortenden in mehr als 50% der Fälle neue Medikamente.

Ca. ein Drittel der Antwortenden arbeiten weder mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst, den vom Gericht bestellten Betreuern, der Klinik oder dem Hausarzt zusammen!
Die Mehrzahl der Antwortenden wäre u.U. bereit, sich an einem regionalen Krisendienst zu beteiligen.

Abrechnung und Honorar: Zwei Drittel der Antwortenden verfügen über Abrechnungsmöglichkeiten für Psychotherapie.

Weiterbildung: Alle antwortenden Ärzte nehmen an einer oder mehreren Formen von Weiterbildung teil. Wie aus einem Begleitschreiben hervorgeht, sehen die Ärzte selbst für sich einen hohen Weiterbildungsbedarf.
Arztbrief: Die Antwort auf die Zusatzfrage nach den Arztbriefen nach Krankenhausaufenthalt von Patienten lautete in den meisten Fragebögen, daß es zu lange dauert, bis die ausführlichen Briefe vorliegen.
 

16. September 2000, Bockholzer Gemeindezentrum Stade:

Konferenz: Stigmatisierungs- und Ausgrenzungstendenzen begegnen - Angehörige suchen nach Verbündeten
Nach dem Bericht von Ute Wollank, Vorsitzende der Stader Angehörigengruppe über das Bundestreffen "10 Jahre Psychoseseminare" vom 7. - 9. Juli 2000 in Schwerin diskutierten die Teilnehmer in drei Arbeitsgruppen über 1. Probleme in der Familie, 2. im professionellen Umfeld und 3. in, bzw. mit den Medien und erläuterten zum Abschluß die Ergebnisse.
Im Protokoll von Peter Wilhelm Arp, Wilhelmshaven heißt es zu der familiären Situation von Angehörigen psychisch Kranker: "Die Entdiskriminierung muß in den Familien beginnen. Wir müssen bei uns selbst anfangen. … Die Familien müssen die Krankheit akzeptieren. Es dürfen keine Schuldzuweisungen stattfinden."
Die Teilnehmer der zweiten Arbeitsgruppe "Diskriminierung im professionellen Umfeld" stellten folgende Schwerpunkte zusammen (Protokoll):
Die professionellen Helfer fühlen sich als Inhaber der Wahrheit . Die Sprache der Profis muß für die Laien verständlich sein.
Da das professionelle Umfeld die meisten Probleme aufgibt, werden wir uns im kommenden Jahr intensiv diesem Thema widmen.
Die dritte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der oft diskriminierenden Darstellung psychischer Krankheit in den Medien und dem mangelnden Interesse der Öffentlichkeit. Es wurden Beispiele für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit einzelner Angehöriger und von Angehörigengruppen genannt.


28. Oktober 2000, Medizinische Hochschule Hannover

 
Tagesveranstaltung:
Beratung und Behandlung von Menschen, die an einer Form der Schizophrenie leiden
Es referierten Frau Reitmann, Angehörige aus Hannover*, Dr. med. Hermann Munzel, niedergelassener Psychiater aus Weyhe*, Dr. Horst Haltenhof, Oberarzt von der Abteilung Sozialpsychiatrie der MHH* und Dipl. Soz. Wolfram Beins, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Celle.
Folgende Leistungen wurden von den Teilnehmern intensiv gefordert:
Hausbesuche, mehr Zeit für Gespräche mit Angehörigen, bessere Verteilung von niedergelassenen Psychiatern, Unterstützung der Angehörigen bei der Krankenpflege, mehr Verschreibung von Psychotherapie, Abbau von Tabuisierung und Konkurrenzdenken der Profis untereinander.


25. November 2000, Casino der FH Salzgitter

Konferenz: Einfluß gewinnen - Angehörigenvertretungen in psychiatrischen Fachgremien der Kommunen und der Länder

Angehörige tauschten ihre Erfahrungen in den kommunalen Beiräten, Arbeitsgruppen und Verbünden aus. Nur in wenigen Landkreisen liegt der vom Gesetzgeber geforderte Sozialpsychiatrische Plan vor. Die Teilnehmer formulierten immer wieder das große Bedürfnis nach aufsuchender Hilfe. Alle Anwesenden äußerten ihr großes Interesse an den Veranstaltungen des Landesfachbeirates und ihr Unverständnis, warum die entsprechenden Termine spät oder gar nicht bei den Sitzungen der Sozialpsychiatrischen Verbünde bekannt gemacht werden.
 




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